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Page 1: April III Abendausgabe klette · sei. Er fügte lediglich bei, der Generalstabs-chef werde Rpäter eine Radioansprache an die Nation richten. Die Verbindungen mit Griechenland wur-den

Freitag, 21. April 1967 III

1745/1Der Zürcher Zeitung 188. Jahrgang Preis 25 Rp. Abendausgabe Nr. 1745

klette äJkt 3eitttttttTäglich drei Ausgaben und schweizerisches Handelsblatt E»_II_ .__O_ 11 L-t.L.Redaktion: Falkenstraße 11, Zürich

Telephon (051) 327100

Ausnahmezustand in GriechenlandUnterbrechung

aller Verbindungen

Athen, -1. April, ag (Reuter) D er grie-

chische Armeesender meldete am Freitag mor-gen, die Regierung Ministerpräsident Pana-yotis Kanellopoulos' Bei durch einen Militär-putsch gestürzt worden. D er Sender gab nichtan, ob der Putsch ruhig oder blutig verlaufensei. Er fügte lediglich bei, der Generalstabs-chef werde Rpäter eine Radioansprache an dieNation richten.

Die Verbindungen mit Griechenland wur-den sofort unterbrochen. Dns Telephonamt

vermittelt keine Gespräche mehr mit demAusland.

London, 21. April, ag (Reuter) Alle Flügenach Athen sind nach der Bekanntgabe desMilitärputsches in Griechenland annulliertworden. Wie verlautet, ist auch der Stralien-und Eisenbahnverkehr nach Athen unterbro-chen. Einige politische Persönlichkeiten sollenverhaftet worden sein.

(AP) Die griechisch-türkische Grenzewurde nach Mitteilung des Polizeichefs dertürkischen Grenzstadt Edirne in den frühenMorgenstunden geschlossen. Aus in der Türkeiabgehörten griechischen Rundfunkberichtengeht hervor, daß die Machtübernahme desMilitärs im ganzen Lande gute Fortechrittemacht. Der königliche Palast in Athen sei vonPanzern umstellt; Schüsse seien in der Haupt-stadt nicht gefallen.

Verhaftung von Papandreou?

Istanbul, 21. April. (UPI) Nach einer Mit-teilung des türkischen Außenministeriums sollder frühere griechische MinisterpräsidentGeorg Papandreou zusammen mit einigen »ei-ner Anhänger verhaftet worden sein.

Festnahme Kanellopoulos'?

Athen, 21. April, ag (Reuter) Wie verlau-tet, sind in Athen Ministerpräsident Kanello-poulos, andere Minister und Führer der Rech-ten und der Linken verhaftet worden. Kanello-poulos ist von einer unter dem Befehl einesHauptmanns stehenden Militäreinheit verhaf-tet worden. Nach Aussagen seiner Gattin i stder gestürzte Regierungschef in einen Wagengezerrt worden. Das Auto sei an einen un-bekannten Bestimmungsort geführt worden.Kanellopoulos h a be protestiert, doch sei ihmbedeutet worden, die Verhaftung geschehe inseinem eigenen Interesse.

Starke Militäreinheiten mit Panzern undPannzerwagen haben die Hauptstadt ein-gekreist. D er Königspalast, die Ministerienund andere wichtige strategische Punkte ste-hen unter strenger Bewachung. Die Straßensind gesperrt, und der Verkehr wird umgelei-

tet. Armee-Einheiten haben den Flughafen,das Postamt sowie die Radio- und Telegra-phenämter besetzt. D er Radiosender derArmee gab bekannt, daß ein Ausgehverbotverhängt worden sein. Alle Universitäten und

Schulen wurden auf unbestimmte Zeit ge-

schlossen.

lieber das Schicksal König Konstantins lie-gen keine Meldungen vor.

Erlaß eines königlichen Dekret«Athen, 21. April, ag (Reuter) Der grie-

chische Radiosender teilte am Freitag morgenmit, daß König Konstantin, MinisterpräsidentKanellopoulos und der Innenminister ein kö-nigliches Dekret unterzeichnet hätten, wonachgewisse Toile der Verfassung gefährdet seien.Fahrzeuge dürfen bis auf weiteres nicht ver-kehren. Die Einwohner sollen ebenfalls bisauf weiteres zu Hause bleiben. Geldabhebun-gen in Banken und der Verkauf von Goldwurden verboten. Die Korse bleibt geschlossen.

Hamstern wird als Sabotage betrachtet.

(UPI) Nach Angaben des Athener Radio-senders hat die Armee erklärt, sie habe gehan-

delt, da die innere Sicherheit bedroht sei. Ge-wisse Artikel der Verfassung seien außerKraft gesetzt worden. Radio Athen zitierteeine Erklärung, die nach Angaben des Sen-ders im Namen des Innenministers, des Mini-sterpräsidenten und einiger Kabinettsmitglie-

der herausgegeben worden i st und in der dieBurger aufgefordert werden, in ihren Häu-sern zu bleiben. Die Börse wurde geschlossen

und das Anlegen von Nahrungsmittelvorrätenunter Strafandrohung verboten. Auch derAnkauf von Gold wurde untersagt.

Aus Kreisen der griechischen Botschaft inRom verlautete, daß König Konstantin Gene-ral Spandidakü mit der Macht betraut habe.Gleichzeitig wollen diese Kreise gehört huben,

daß die Parlamentswahlen am 28. Mai plan-mäßig stattfinden würden.

Aufhebung

von VerfassungsartikelnBelgrader Informationen

Belgrad, 21. April, ag (AFP) Wie dieAgentur Tanjug auf Grund einer Mitteilungdes griechischen Armeesenders bekanntgab,patrouilliei-en in Athen Panzer. D er Verkehrin der griechischen Hauptstadt i st sehr spär-lich. Die Postbüros und die Schulen sind ge-

schlossen. Die Zeitungen sind am Freitagnicht erschienen. Vor den Zeitungsredaktio-nen ist die Bewachung verstärkt worden.

Der königliche Erlaß hat gewisse Artikelder Verfassung «angesichts der anormalen po-litischen Lage im Lande und der bestehendeninneren Gefahren» auf Grund von Art. 91 derVerfassung aufgehoben.

Belgrad, 21. April, ag (AFP) Wie auf dergriechischen Botschaft in Belgrad verlautete,soll das griechische Parlament innert zehnTagen einberufen werden, um den auf Grundvon Art. 91 der Verfassung unterzeichnetenköniglichen Erlaß zu billigen oder aufzu-heben. Der griechische Botschafter in Belgradkonnte am Freitag morgen mit Athen tele-phonieren. Dort erfuhr er, daß die Militär-behörden nur mit der Aufrechterhaltung derOrdnung beauftragt sind. Die gesamte Macht

sei nach wie vor in den Händen der gesetz-mäßig eingesetzten Regierung. Die Armeehabe Athen nur besetzt, damit keine Zwi-schenfälle vorkommen. In der Hauptstadtherrsche völlige Ruhe.

Artikel 91 der Verfassung

Die Nachrichten über den Ausnahmezu-stand in Griechenland gestatten noch keinenUeberblick iilrnr die wirklichen Vorgänge inAthen und ihre politische Tragweit«, Aus demMosaik d<;>;r sieh teilweise ergänzenden, teil-weise aber auch widersprechenden Berichtescheint sieh zunächst nur zu ergeben, daß dieArmee auf Grund eines königlichen Dekretsdie Sicherung der öffentlichen Ordnung über-nommen hat. Ob sie darüber hinaus politischeMachtbefugnisse all sich riß oder vom Königausgehändigt erhielt. Hißt sich aus den vor-liegenden Meldungen noch nicht schlüssig

eruieren. Da der König liueh einer Meldungaus Belgrad, die sich offenkundig auf eine ab-gehörte Mitteilung des Radiosenders Athenstützt, seiiK1 Aktion auf Artikel 91 der Verfas-sung stützt, macht es den Anschein, als obsich der Eingriff nicht gegen die Verfassungund die etablierte Ordnung richte, solideminnerhalb des verfassungsmäßigen Rahmensbleibe. Man wird jedoch die authentischenMitteilungen des Königs oder des Minister-präsidenten oder aber, sofern es sich wirklichum eine Machtergreifung durch die Armeehandeln sollte, des gegenwärtigen Inhabersdor faktischen Macht abwarten müssen, be-vor man sich ein Urteil über die dramatischeWendung gestatten kann, welche die Dingein Griechenland genommen haben.

Eine Analyse von Artikel 91 der griechi-

schen Verfassung vom 1. Januar 1952 ge-

stattet die Feststellung, daß dem König einbedeutendes Aktionsfeld eingeräumt ist. DerArtikel gewährt dem Monarchen das Recht,im Kriegsfall, im Falle einer Mobilisation,bei der Gefährdung der äußeren Sicherheit,ober auch bei einer schwerwiegenden Gefähr-dung der öffentlichen Ordnung im ganzenLand oder nur in einzelnen Gebieten dieArtikel 5. 6, 8, 10, 11. 12, 14, 20, 95 und97 der Verfassung außer Kraft zu setzen.Die genannten Artikel gewährleisten die per-sönlichen Freiheitsrechte, das Vereinsrecht,die Unverletzlichkeit der Wohnung, diePresse- und Gedankenfreiheit, das Post-geheimnis und setzen die Maßnahmen fest, dieim Fall des Ausnahmerechts einzuhalten sind.

Artikel 91 bestimmt aber auch, daß dieAußerkraftsetzung der genannten Artikel derZustimmung des Parlaments bedarf: D erKönig muß innerhalb von zehn Tagen nachAnwendung des Artikels 91 die Kammer ein-berufen. Auch wenn die Kammer bereits auf-prelöst worden ist, muß sie erneut einberufenwerden. Mit andern Worten: Anwendung vonArtikel 91 der Verfassung vermag auch einschon aufgelöstes Parlament wieder zu legisla-

tivem Leben zu erwecken.

Einstellung von Flügen der Swissair

up Wie von der Swissair am Freitag erklärtwurde, fliegt die Gesellschaft angesichts desMilitärputsches in Griechenland Athen vorläufig

nicht an. Der Freitagkursflug der Swissair vonIstanbul über Athen nach der Schweiz wird unter

Atomminengürtelan der türkischen Ostgrenze?

Ein Vorschlag Ankara»Ankara, 20. April. (AP) Die Türkei hat,

wie am Donnerstag aus türkischen Militär-kreisen bekannt wurde, bei der lotsten Sitzung

des WATO-Atomausschusse» in Washington

die Errichtung eines Atonunincngürtels ent-lang der türkisch-sowjetischen Grenze vor-geschlagen. Wie es heißt, wurde der Vorschlagangenommen. Das NATO-Hauptquartier sollbereits mit der Ausarbeitung einer neuenVorteidigtingmtrategfc für die Osttürkei be-auftragt worden sein.

Die Türkei soll die NATO-1! inister davonunterrichtet haben, daß die Entscheidungül>;er den Einsatt der Atomminen unter ge-

wissen von der NATO gestellten Bedingungen

bei ihr liegen müsse.

Die Verhandlungen über die Erteilung die-ser Entscheidungsbefugnis haben dem Ver-nehmen nach noch nicht begonnen. Die tür-kischen Militärkreise bezeichneten die Errich-tung des Atomniinengürtels als «wichtigsteEntwicklung in der türkischen Verteidigungseit dem Beitritt der Türkei zur NATO».

Auslassung des griechischen Zwischenhalten direktgeflogen. Die Passagiere nach Athen müssen vor-läufig in Zürich warten.

Wilsons EWG-PoiitikDie voraussichtlichen Schritteauf dem Weg nach Brüssel

A. C. London, 21. April

D er Fahrplan für das weitere Vorgehender britischen Regierung in bezug auf ihr all-fälliges Gesuch um einen Beitritt zur EWGscheint nun einigermaßen festgelegt. Obwohldie Labourpartei in der EWG-Frage nach wievor in sich selber tief zerstritten ist und auchinnerhalb des Kabinetts die Meinungen aus-einandergehen, ist Wilson offensichtlich ent-schlossen, in den nächsten Wochen denSprung zu wagen und den Sechs das Beitritts-gesuch zu unterbreiten.

Abhängigkeit von der Kennedy-Runde

Das genaue Datum liegt zwar noch nichtendgültig fest; die neue Verzögerung der Ge-spräche der Kennedy-Runde hat sich auch aufden Entscheid des britischen Premiers aus-gewirkt. Sollten die Genfer Gespräche, wienun geplant ist, in der ersten Mai-Dekade zuEnde gehen, so wird damit gerechnet, daßWilson die Erklärung über das Beitritts-gesuch in der am 8. Mai beginnenden Wochedem Unterhaus vorlegt, das dann anschlie-ßend in einer zweitägigen Debatte zur Regie-rungsvorlage Stellung nehmen wird.

Sollte dieser Termin nicht eingehaltenwerden können was wesentlich vom Gangder Verhandlungen der Kennedy-Runde inGenf abhängt so ergäbe sich eine Verschie-

Erzählungen von Milovan Djilas

Milovan Djilas ist beinahe zehn Jahre in Kerker-haft gewesen, bevor ihn kürzlich eine Amnestieerreicht hat. Am Ende der Erzählung «Der Aus-sätzige», die die deutsche Ausgabe der Erzählungen*

beschließt und in der amerikanischen Ausgabe dieTitelnovelle ist, steht: «Ans der Asche des Ver-gessens entstand diese Geschichte, innerhalb derGefängnismauern von Mitrovitza.»

Das ist durchaus nicht der einzige Hinweis aufdie Lebensumstände des großen politischen Ketzereaus Montenegro. Am Ende einer Erzählung, diezugleich die Evokation des Volksepos von VuleLopnschina ist, ruft der Erzähler aus: «Wenn dochauch ich Anstoß geben konnte zn solch einemLied . . .»

Sollen wir diese Erzählungen lesen als dieErgebnisse einer erzwungenen Muße des rastlostätigen Mannes, der im Gefängnis auch ein Buchüber das Epos von König Njegosch geschrieben

hat, einen historischen Roman über die Stammes-und Religionsfehden im einstigen Montenegro, eineSelbstbiographie (von der der erste Teil im Aus-land erschienen ist) und der unter materiellschwierigsten Bedingungen auch die Energie fand,das «Verlorene Paradies» von Milton ine Serbischezu übersetzen? Sind diese Erzählungen direkte oderverschlüsselt« Zeugenschaft eines politisch Mili-

Milovan Djik»: Die Exekution; Piper-Verlag,

MW*

tanten? Der erschienene Teil der Autobiographie

hat uns verstehen lassen, wie sich eine revolutionäreinternationalistische Ideologie verbinden konnte mitder Erinnerung an nicht ferne, blutige Stammes-kämpfe in einem ursprünglichen, trotzigen, sozialhinter der europäischen Entwicklung weit zurück-gebliebenen Bergvolk. Zwischen der Verwurzelung

in einer sehr besonderen Geschichte und einer star-ken Vision von einer inensehheitsweiten Zukunftschien mit dem kämpfenden Kommunismus einsicherer Weg zu fuhren.

Djüas hat inzwischen seinen historischen Glau-ben relativiert, und sein Bewußtsein von der Machtder vergangenen Verhältnisse scheint dadurch stär-ker und unmittelbarer geworden zu sein. SeineErzählungen spielen in der Zeit des Partisanen-krieges; aber nicht die Kämpfe, sondern die Hin-richtungen sind es, die er vor allem beschreibt, undzwar in einer Art homerischer Objektivität, alsEreignisse, in denen zugleich die Menschlichkeitund die Unmenschlichkeit erfahren werden wobeiUnmenschlichkeit das ist, was unter dem Zwang

der Umstände geschehen muß, während Mensch-lichkeit sich in kleinen Zügen der Güte und des

Mitleids äußert und in der großen Trauer über dasunabwendbare Schreckliche. Verbindet sich damitdie Hoffnung auf eine Welt, in der das Töten ausRache oder aus Notwendigkeit nicht mehr dasoberste Gesetz wäret In seinen Erzählungen enthältsich DjUas jeden Ausblicks auf die Utopie. Diebeiden kürzeren, schon viel abgedruckten Novellen«Krieg» und «Die Exekution» sind es, die in dieserSammlung entschieden hervorragen. Beide haben

bei der Obrigkeit wenn man eine kommunistischeFührung so nennen darf Anstoß erregt, weil sietypisches Geschehen im Partisanenkrieg in einerArt schildern, die das grausame Handeln derPartisanen weder verharmlost noch durch erbau-liehe Betrachtungen über das rechtfertigende End-ziel irgendwie abschwächt.

Was geschieht in der Novelle «Krieg»? EineBauernfamilie läßt sich mit ihrem Wagen, in demein Sarg ist, dnrch eine Fähre übersetzen. Sie willden letzten, an dor Front gefallenen Sohn in derHeimaterde begraben. Auf der gleichen Fähre istMilitär. Ein alter Bauer bemerkt, daß sich im Sarg

etwas regt und macht den Major darauf aufmerk-sam. Der Sarg wird geöffnet, und man sieht, daßes der lebende Sohn ist, den seine Familie auf dieseWeise vor dem Schicksal aller seiner Brüderbewahren wollte. Auf Desertion stand Todesstrafe,

und der Hauptmann erschießt den Burschen imSarg ohne Aufschub. Nnn zieht der Leichenzug

weiter, mit den gleichen Klagen wie zuvor, nur daßsie diesmal echt sind. Der Bauer, der denunzierthatte, murmelt: «Wie hätte ich es wissen sollen?»

«Am Ende des Sarges war ein Ast aus demHolz gesprungen, und daraus rann das schwarzeBlut Die Mutter hielt die Hand auf dem Sarg

und stieß unverständliche Klagelaute aus. DerVater schritt neben den Pferden und vergaß dies-mal, ihnen ihre Kosenamen zn geben . . .»

Noch schrecklicher ist das Geschehen in derNovelle «Die Exekution». Ein achtzehnjähriger

Partisane, Liebling des Bataillons, hat das Erschie-

ßen der Verurteilten als Hauptbeschäftigung über-nommen. Ein alter Rauer, der hinter der Liniegeschnappt wurde, muß erschossen werden; aberder Partisane schießt ihn bewußt nur so an, daßer nicht tot ist, und beginnt, ihn lebend zu begraben,

und sagt dazu: «Er muß seinen Tod spüren. Wasist denn am Tod, wenn wir ihn nicht spuren f» DerIch-Erzähler dieser Geschichte vollendet nun dieExekution.

Diesen goyesken Szenen aus dem Partisanen-krieg in einer Novelle muß ein Mann seineeigene Frau, die er liebt, erschießen, weü sie miteinem italienischen Arzt zu freundlich warstehen einige Novellen gegenüber, die vor allemErinnerung an ein freies Leben in der wildenNatur sind. Immer wieder heißt es, der Erzählerwolle «die Vergangenheit aufleben lassen». Einmalauch: «Wie konnte der Mensch ohne seine Ver-gangenheit leben?» Gerade hier aber handelt es siebnm die entsetzliche Geschichte von der Ermordungeiner ganzen Familie und von der Art, in der dervorgegebene Ich-Erzähler eine Rache nimmt, dieihn selber schal dünkt. Es ist die Art Geschehnisse,die die Kämpfer und Opfer der Kriege meistenslieber aus ihrem Bewußtsein verdrängen und aus-löschen, als daß sie ihre genaueste Erinnerungbrauchten, um weiterzuleben.

Djüas aber meint, was geschehen ist, müsseberichtet werden und im Gedächtnis weiterleben,nicht weil es eine Lehre enthalte, sondern einfachweil es so war. Seine Erzählungen verbinden denklagenden oder rühmenden Ton des Epos mit derharten Nüchternheit einer Kurzgeschichte von

Neue Zürcher Zeitung vom 21.04.1967

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