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8602 Das Beste der Ausg. Febr. 86

Apr 07, 2018

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    Danke, danke! wirklich nett von Euch Leute, mir bei derWahl Eures Pressemenschen des J ahres die Bronzeme-daille umzuhangen. Auch sonst war ich ganz schon uber-rascht, wer alles so in unserer MetropolelEure Zuneigungfindet. Ha, da gab's doch auch welche, die wollten schum-meln, schickten mir Briefe korperweise zu, bei der immerdie gleichen Antworten auttauchten. Ihr dachtet wohl,Euer Eddy ist doof.Ja lieber R., lieber F.und lieber M.,diesebestellten Sympathiezettel sind alle in meinem Papier-korb gelandet, das habt ihr nun davon. Fairplay ist nam-lich meine Spezialdisziplin, damit Ihr's willt ... Dafur kon-nen sichjetzt alle Sieger ruhmsn, die echte Gunst der H. 1.Leser zu genie~en ... Das steht auf Seite 6.Was habe ich Euch sonst noch imFebruar mitgebracht?Da ist z. B. eine Local HIerone, die sich zwar mit Elan

    anschickt, imSommer die Landtagsstufen zu erklimmen,aber in typisch gruner Publicity-Abneigung, einen Foto-termin mit meinem Star-Belichter Axel K. glatt ablehnte.Selbst schuld, wenn Dujetzt mit dem Ergebnis auf Seite 8nicht zufrieden bist, liebe Sonja. Mein Freund Herwig wirdes sicher sein, den habe ich auf dem Titel doch wohl tollgetroffen - FrUhstuckstilleben nenne ich das. Stilleben istauch das Motto fur diese Faschmgsausgabe. Ich hab michda ganz an die Devise gehalten Stell Dir vor es ist Karne-val in Gotttngen und keiner merkt's. Urnmehr Aufmerk-samkeit mochte ich Euch alIe da schon fur einen wiriichtollen Film bitten, der ab dem 20.2. in Gottingen lauft. Ichfand SNUFFso wichtig, d~ ich mr den Begisseur gleichfur Eddy's erste Talk-Show schnappte. Am 27. konnt IhrEddy.ganz livehaftig sehen. Solong

    ouno77IFI STUDIOtd.~ Techni~s San.su1...~~ ..Jt.e~! KENWOOD ( C i i T G m )f t : : P ' , I U f \ W t I E t PHILIPS

    quadtal f ] [8tj:tiD THOR@!STEAC. IlA[uperService:E igene Me is te r-w erk sta tt im Hau s.

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    - _-< Jt Jo

    ~j a S c h rei n e r

    I E K A N D ID A T INOie grune Zukunft ist weibl ich. So ist 's ~u lesen, in deutl i-chen Lettern uber dem Schreibtisch. Oogmatlsche Programma-tik? Nein! Sie bietet schon mehr als nur engagierte Frauenpo~i-t ik urid dies scheint auch der Grund zu sein , weshalb SonjaSc'hreiner sich Hoffnungen machen darf, nach den ~achst~nLandtagswahlen im niedersachsischen Landtag z.usltz~n.l?leGrunen setzten sie auf den dritten Platz ihrer Wahiliste, eme fur-wahr exponierte Position, die sie fUr den Local Hiero(rin)-Platzund damit fur ein kurzes Portrait zumindest interessant werden

    lieB.N R, 2 I 8 6 H I E R O I T Z O

    S ie wurde geboren in SOd-deutschland, wuchs in Berlinauf und ist sei t Ober15 Jahrenin vielen Bereichen in Got tin-gen tatig qewesen.43 Jahre i st s ie a lt , hat e ine19jahrige Tochter, die just dastraute Heim verlieBund arbeitetzurZeit befristet ander UniGot-t ingen im erziehungswissen-schaftlichen Fachbereich,Got tingen ist heute ihre Hei-mat, und hier arbeitete sieauchsei t 1969 engagiert in einigenGruppen und Organisationenmit. 1mGefolge der Studenten-bewegung war sie 1969 Mitbe-grOnderin des ersten GottingerKinderladens, ich wechseltedamals von der Uni SaarbrOk-ken , wo inBezug auf d ie APOauch n icht s l ie f, h ie rh in nachGot ti ngen , und brach te e inekleine Tochter mit ,war also mitdem Problem unmittelbar kon-f ront iert , , , .. In der Folgezeitarbeitete sie inder FachgruppefOrsoziale Arbeit im GottingerSozialistischen BOround inderGewerkschaft OTV mit . I nderAnt i-AKW-Bewegung i st s ieseit 1977 aktiv undhat zahlloseAufenthalte im Landkr eisLOchow-Dannenberg zuDemos, Blockaden, Beratun-gen und B~suchen hi,nter,si~,h,Weiterhln war und istsiefuh-rend tat ig in der Organisat ionFrauen gegen Militarismusund sieht ihren personl ichenArbei tsschwerpunkt zur Zei t inder Bildungspolit ik, ein echterberuf licher Bezug , , ., i n derSoz ia lpol it ik sowie in der lnallen Bereichen noch offenenFrauenfrage,Der pol it ische Werdegangder Abgeor dne te n i n spe is tinteressant, aber typisch, Vorund wahrend der SechzigerJahre- noch SPD qewahlt , ichwahlte damals Willi Brandt, daswar klar, auch noch wahrenddes GroBen Verrates- (GroBeKoalition) mit einer Niebelung-ent reue zu den Salon-Soz isbehaftet, setzte dann derschmissige Helmut den energi-schen SchluBpunkt unter dasSchreiner'sche Wahlerverhal-ten, Helmut Schmidt wardanndes Guten zuv ie l , , , ..Die fru-strierte End-Sechziger-Gene-ration bekam dann inden spa-ten siebziger Jahren ihreChance, D ie Al te rn at iv enListen bildeten sich, aus ihnenentstanden die Grunen, 1979wurde sie inGot tinqen zur Mit -begrOnderin der GrOnen, arbei-tete ein Jahr im Kreisvorstandund i st sei t zwe i Jahren Rat s-f rau der GrOnen L is te m it denArbeitsschwerpunkten Sozial-und Jugendpolit ik, Auslander-,Arbeitsplatz- und Ausbildungs-fragen und Kulturpolitik,

    In eine Partei wollte sieeiqenttich nie, qewartet habeich immer auf eine Bewegung,von unten , so wie d ie jet zi geO ko -B ew e qu nq . , , .Den heutigen 218 lehnt sieebenso ab,wie denWehrdienstf Or F rauen, aber auch denWeh rd ie ns t fO r d ie Manner, . .. , u nd fOr d ie Ande rungdes 116 hat sie'nur ein non-chalantes Nem Danke Obrig.

    zur unmittelbaren Korpervenel"zung des polit isch Andersden-kenden f Uh rt , l eh ne i ch s ieabsolut nicht ab.Wie ist esmitden Eiern und mitGeissler?Dieser geistige Umweltver- ~----~------__;_---------+schmutzer muBte wohl einmalerfaliren, wie die Basis wirklichOberihn denkt , ja in manchenSituationen sind Eier undTomaten wirklich eine annehm-bare Form von A rgumenten ..__..JL- ..LAUTSPRECHERWERKSTATI HIFI-STUDIO

    Audio: Z u r P o l i t i k g e h o r t e in S t u cW u t , in s b e s o n d e re a ls F r a u Die Frage nacti den hervor-stechendsten Merkmalen desheutigen Politikers beantwortetsie prompt, indem sie Attribute

    nennt wie Sitzfleisch, Dickfel-ligkeit, Intrigantentum, doppelteMoral , Skrupe"osigkeit . .. .. .Was werden die GrOnenanders machen? Die GrOnenwerden langf rist ig paritat lsch(Frauen-Manner) besetzt sein,s ie werden e ine Wachhund-funktion gegenOber den Mach-t igen ausOben und ihre Aus-r ic ht ung zu den Unterprtvae-gierten und Auslandern beibe-halten. Sie sollen das Unbe-hagen an der fortschreitendenModerni si erung produkt ivumset zen und s ich fOr Wer tewie Asthet ik , Natur , Lebenund M it ve rantwort ung pol l-tisch einsetzen.Dabei rnochte sie nicht einegrOne Eli te mit diskretem 5 %-Charme etabl iert sehen. DieGrOnen sind keine besserenMenschen, sondern deckendas Bose in bestimmten Struk-turen aut.Das Bose ist jedoch a"ge-mein nicht ganz einheitlich defi-niert. Juristische und christlich-moralische SpitzfindigkeitenmOssen da dem e inen oderdem ander en Ober gewi sseund ungewisse Abgrenzungs-probleme hinweghelfen.So auch in jenem Falle,wenn es um die leidige Agres-sion geht. DaB aus pol it ischerode r sor is nqer F ru st ra ti onAgression werden kann, ist fOrSonja durchaus nachvollzieh-bar , j a s ie f ordert d ies sogar .Zur Pol it ik gehOr t e in S tOckAgression (Wut), insbesondereals Frau.Das Adrenal in als energet i-sches Dressin zum faden (undschwierigen) pol it ischen AU,tag?Inbestimmten (fastbestimm-ten) Grenzen ja!Wenn die Agression nicht

    . .. . , ansonsten bin ich jedochprinzipie" fOrden gewaltfreienWiderstand.Zur Frauenfrage?Da ist i n a ll en Berei chennoc h eine Menge zu tun, imakademischen Bereich, im A"-t ag und auch noch inder e ige-nen Partei, obwohl dort injOng-ster Zeit bessere Ansatze deut-lich spurbar sind (paritat, Beset-z unq) . I hr en S tandpunk ti nnerha lb der F rauenbewe-gung kann s ie nur schwerausmachen. Si cher , ohneManner lauft es nicht , aber dieFrauen mOssen in vielen Fra-gen erst mal alleine zu sich f in-den und souen aus d ieserSelbs tf indung heraus dannkooperativ handeln . .. . Zum Schl uB f ra gte i ch s ienoch nach ihren VorstellunqenzurArbeit im Landtag. Siezablts ich zu der Gruppe der Rea-los und rnochte sich daher fOroffensive Verhandlungen mitd er SPD e in se tzen , d er emhypothefischen Al: Isgang sie

    jedoch sehr skeptisch. entge-gensieht. .Themen wie -Arrnut beiFr auen ode r U rnoau de rWirtschaft wOrden bei einemLandtagsengagement jedochauch ebenso. eine Hol le spie-l en . Grundsa tz li ch s ieht s ieeiner moglicherweise erfolgrei-chen Wahl inden Landtag opt i-mistisch, tatendurstig und ent-schlossen entgegen, schriebsiedoch in ihrem Bewerbungs-schre iben um einen P la tz aufd er Landesl is te am 2 .1 .86Freud und Leid von Gruppen-arbei t habe i ch wahrend mei -nes beruflichen und polit ischenLebens reichlich gekostet undglaube, daB ich darauf und aufd ie Bewa lt ig ung der unver -meidl ichen Papierberge ganzgutvorbereitet bin,WeBa

    D e r M a O s la bin s e in e r K la ss e ccJ V C K D V 2 20

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    d ie F ayo ritenDas Warten ist vorbei. Die Ergebnisse des 1.Gottinger PolI- des H.I.Metropolis - stehen fest. Ober 400Leser~ind unse~em Aufruf gefolgt,uber Laden, Leute und Ereignisse ebzusnmmen. Mmdestens zeh~Antworten muBtengegeben werden. Fast aile konnten sagen,was lhreKneipe des Jahres ist, nur wenigen fieI e~as z~r Frage Besuch desJahres ein. Sosind die Ergebnisse naturllch nI~ht n~chirgendwelchen demoskopischen Kr,i,tereienreprasentlert, ~.interessant und lustig allemal und fur uns Grund genug dewiederholen.

    , K nei pe d es Jah re s'1.Cartoont 2. Canapee3. Havana Moon, Cafe des Jahrest 1. Kadenz2. Roxyt 3.Cron & Lanz Disco des Jahres'1. Coconutt 2. Pink'3. Afro-Asiaten-Bart Live-Club des Jahres 1. OutpostiEinbeck, 2. Norgelbuff, 3.Theater ohne Namen Restauran t des Jahres, 1.Pizzeria daMimmo,2. A lte Borse3.Gasthaus Kocht Boutique des Jahres,1. C& A, 2. Rif if it 3. Standard, P la tt enshop des Jahres' 1. Bootst 2. membran3.jpct Buchhandlung des Jahres 1. Eulenspiegel, 2. Roter Buchladent 3. LauraHif i-Geschaft des Jahrest 1. Norberts HiFi-Stubchen

    '

    2. Sound 773. Mudra akustik' Se cond Hand Shop des Jah re s, 1.Universum,2. Bananat3. Atlantis.9 : Pink (wegen des Bieres)

    [IJ N R. 2 I 8 6 HIERO ITZO

    , Band des Jahres1. Mannerwirtscha, 2.Razamatazz, 3.Ganz schon feistDissidenten, Maler /i n des Jahre 1.Geelke Haase, 2. Karlt 3. Lilly StelingKOnst ler/ in des Jah'1. Karl 2.Andreas Lemberg, 3.Wolf -Peter Fahren, 7 : F int L ive-Concer t des J

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    I E K A N D ID A T INOie grune Zukunft ist weibl ich. So ist 's ~u lesen, in deutl i-chen Lettern uber dem Schreibtisch. Oogmatlsche Programma-tik? Nein! Sie bietet schon mehr als nur engagierte Frauenpo~i-t ik urid dies scheint auch der Grund zu sein , weshalb SonjaSc'hreiner sich Hoffnungen machen darf, nach den ~achst~nLandtagswahlen im niedersachsischen Landtag z.usltz~n.l?leGrunen setzten sie auf den dritten Platz ihrer Wahiliste, eme fur-wahr exponierte Position, die sie fUr den Local Hiero(rin)-Platzund damit fur ein kurzes Portrait zumindest interessant werden

    lieB.N R, 2 I 8 6 H I E R O I T Z O

    S ie wurde geboren in SOd-deutschland, wuchs in Berlinauf und ist sei t Ober15 Jahrenin vielen Bereichen in Got tin-gen tatig qewesen.43 Jahre i st s ie a lt , hat e ine19jahrige Tochter, die just dastraute Heim verlieBund arbeitetzurZeit befristet ander UniGot-t ingen im erziehungswissen-schaftlichen Fachbereich,Got tingen ist heute ihre Hei-mat, und hier arbeitete sieauchsei t 1969 engagiert in einigenGruppen und Organisationenmit. 1mGefolge der Studenten-bewegung war sie 1969 Mitbe-grOnderin des ersten GottingerKinderladens, ich wechseltedamals von der Uni SaarbrOk-ken , wo inBezug auf d ie APOauch n icht s l ie f, h ie rh in nachGot ti ngen , und brach te e inekleine Tochter mit ,war also mitdem Problem unmittelbar kon-f ront iert , , , .. In der Folgezeitarbeitete sie inder FachgruppefOrsoziale Arbeit im GottingerSozialistischen BOround inderGewerkschaft OTV mit . I nderAnt i-AKW-Bewegung i st s ieseit 1977 aktiv undhat zahlloseAufenthalte im Landkr eisLOchow-Dannenberg zuDemos, Blockaden, Beratun-gen und B~suchen hi,nter,si~,h,Weiterhln war und istsiefuh-rend tat ig in der Organisat ionFrauen gegen Militarismusund sieht ihren personl ichenArbei tsschwerpunkt zur Zei t inder Bildungspolit ik, ein echterberuf licher Bezug , , ., i n derSoz ia lpol it ik sowie in der lnallen Bereichen noch offenenFrauenfrage,Der pol it ische Werdegangder Abgeor dne te n i n spe is tinteressant, aber typisch, Vorund wahrend der SechzigerJahre- noch SPD qewahlt , ichwahlte damals Willi Brandt, daswar klar, auch noch wahrenddes GroBen Verrates- (GroBeKoalition) mit einer Niebelung-ent reue zu den Salon-Soz isbehaftet, setzte dann derschmissige Helmut den energi-schen SchluBpunkt unter dasSchreiner'sche Wahlerverhal-ten, Helmut Schmidt wardanndes Guten zuv ie l , , , ..Die fru-strierte End-Sechziger-Gene-ration bekam dann inden spa-ten siebziger Jahren ihreChance, D ie Al te rn at iv enListen bildeten sich, aus ihnenentstanden die Grunen, 1979wurde sie inGot tinqen zur Mit -begrOnderin der GrOnen, arbei-tete ein Jahr im Kreisvorstandund i st sei t zwe i Jahren Rat s-f rau der GrOnen L is te m it denArbeitsschwerpunkten Sozial-und Jugendpolit ik, Auslander-,Arbeitsplatz- und Ausbildungs-fragen und Kulturpolitik,

    In eine Partei wollte sieeiqenttich nie, qewartet habeich immer auf eine Bewegung,von unten , so wie d ie jet zi geO ko -B ew e qu nq . , , .Den heutigen 218 lehnt sieebenso ab,wie denWehrdienstf Or F rauen, aber auch denWeh rd ie ns t fO r d ie Manner, . .. , u nd fOr d ie Ande rungdes 116 hat sie'nur ein non-chalantes Nem Danke Obrig.

    zur unmittelbaren Korpervenel"zung des polit isch Andersden-kenden f Uh rt , l eh ne i ch s ieabsolut nicht ab.Wie ist esmitden Eiern und mitGeissler?Dieser geistige Umweltver- ~----l~------__;_---------schmutzer muBte wohl einmalerfaliren, wie die Basis wirklichOberihn denkt , ja in manchenSituationen sind Eier undTomaten wirklich eine annehm-bare Form von A rgumenten ..__..JL- ..LAUTSPRECHERWERKSTATI HIFI-STUDIO

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    . .. . , ansonsten bin ich jedochprinzipie" fOrden gewaltfreienWiderstand.Zur Frauenfrage?Da ist i n a ll en Berei chennoc h eine Menge zu tun, imakademischen Bereich, im A"-t ag und auch noch inder e ige-nen Partei, obwohl dort injOng-ster Zeit bessere Ansatze deut-lich spurbar sind (paritat, Beset-z unq) . I hr en S tandpunk ti nnerha lb der F rauenbewe-gung kann s ie nur schwerausmachen. Si cher , ohneManner lauft es nicht , aber dieFrauen mOssen in vielen Fra-gen erst mal alleine zu sich f in-den und souen aus d ieserSelbs tf indung heraus dannkooperativ handeln . .. . Zum Schl uB f ra gte i ch s ienoch nach ihren VorstellunqenzurArbeit im Landtag. Siezablts ich zu der Gruppe der Rea-los und rnochte sich daher fOroffensive Verhandlungen mitd er SPD e in se tzen , d er emhypothefischen Al: Isgang sie

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    D e r M a O s la bin s e in e r K la ss e ccJ V C K D V 2 20

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    ott ingen, 15.1.86. Universi tat ,9.00, mvc.Vor dem g ro fi te n Hor sa al d ra n-n s ic h i ib er 2 .0 00 Me ns ch en .e ra ll , w oh in d as A ug e b li ck t,f d er Gal er ie , a uf d en T re ppen .den Ballustraden Wandze itun-n , T ra nspa re nt e. ' P ol iz is te n i nmpfmontur an stra tegisch wich-g en St el ie n, Z iv is v er te il t au fe rs ic ht spunkt e i n der Menge .brodelnder Hexenkessel..Bullen raus.-Rufe ertonen,Meg ap ho ns ir en e h eu lt a ufiffe gellen. Die Menge skandier tij3ler raus, Geifiler raus.ie Men ge sch iebt, wi ll in densaal, Eine halbe Hundertschafthelmter S taa tsdiener versper rtr d en Weg . P lo tz li ch Unr uhe, d ero den vi briert, d as Gerauscha mp fe nd er A bs at zs ti ef el . D ieo li ze i s ch la gt , e in zel ne n Me n-hen w ir d i nd i e Haa re geg ri ff en ,nmi tt el ba re Gewal t muB te z urw en du ng g eb rac ht w er de nr d spa re r im Pol iz ei be ri ch t s te -n. Ein Donnerschlag explodier tP ap ie rk or b. D er S ch re ck l aB ti nen Moment in nehalten . Dasrh al tn is I ie gt u be r 1 0 : 1 - 2 00 0e ns ch en s teh en c a. ei ne r H un -r tschaf t und 80 RCDS-Ordnernenuber - aussichtsreich.T ro tz dem , d ie Si tu at io n i st z uiibe rsichtl ich. Uber Megaphonrd laufend informier t , wird Mau-schau betrieben, werden Zita te ,n ch te vor n Geschehen im Hor -a l selbst nach drauBen weiterge -b en . Wie de r wer de n Ruf e l au t.e A tmo sp har e i st z um R ei Be nD ri nn en D r. H ei ner G eime r,i ne s Z ei ch en s i de ol og is ch ermmboc k des kons er va ti ve nock s . S pa te st en s dur ch s ei nes tr it te ne A uB eru ng , d aB d erz if ismus der Weimare r Republiks chwi tz e rs t mog li ch gemac htb e, h at e r e s z u bunde swei temu hr n- g eb ra ch t. E r i st e s, d ern d er CDU v or ge sc hi ck t w ir d,nn e s g il t, i de ol og is ch e B as ti o-en des Reformblocks- zu

    Und inder Tat . GeiBle rs Auf tre -ten istvon vornhere in dements pre-c he nd a ng el eg t. N ic ht d er h err -schaftsfreie Diskurs soli praktiziertwerden, hie r soli konserva tive Ver -l au tb ar ungspo li ti k p rovoka ti vunte r Polize ischutz vor ausgewahl-tern Publikum in den universi tarenLeben so rg an ismus geimp ft wer -den.Und das m it e in er Mar ti al it at ,bei der s ich Verg leiche mit denGewal tf orme n des a nt ik en r om i-s chen S kl avenha lt er st aa ts g er a-dezu aufdrangen,

    es w a r d ie H o lleG e i 8 1 e r i n G o t ti n g e n

    Heiner Geimer auf Prepagaudaveranstal-tung in Gottinger Uni SQfgt fiir romische Ver-haltnisseWohl e inen der schwarzesten Tage ihrerneueren Gesehiehte erlebte am 15.Januar dieaJtehrwiirdige Georg- August-Universitat inGottingen.In der SehluBphase des stnd. Wahlkampfes,auf Initiative des RDCS (Ring-Christl ieh-Demokratiseher-Stndenten) war Dr. HeinerGeimer zum demokratisehen Dialog mit derStndentensehaft angetreten. Unter massivemPolizeiaufgebot und vor ausgewahltem Publi-kum aIIerdings, denn nurmit zuvor gezieJt anSympathisanten verteilten EinlaBkarten warein Zutritt moglich,Kein Wunder, daBUnmut aufkam.Fiirden Hiero Itzo war Moritz von Craun,einKenner derstudentisehen Szene, vorOrt.

    Wie ei n Gladi at or u nter demSchutz einer Kol..orte in Schildkro-t en fo rm at io n h at te e r d ie A re nabet re te n, m it te n dur ch d ie P le bs ,v on v orn , d urc h d en H au pt ei n-g ang. R und u rn das R edne rpul t:ei ne Barriere von Tischen mitunzahligen RCDS-Plakattafelnfestungsmaf l ig aussta ff ie rt . Imgle i-c he n F orma t w ie d ie dur ch si ch ti -gen Polizeischilde.Das Fernsehen ist da, zweiV ideokame ra s, P ho togr af en , d ieYomPult ausins Publikum blitzen.GeiBi er h al t s ei ne 40m in ii ti geEinfi ihrungsrede. Leute, denend ab ei d er K rag en p la tzt u nd z wi -schenrufen, setzen sich der Gefahraus, abgegrif fen und rausgeschaff tzu werden. Dazu i st der RCDS-S aa ls ch ut z d a. H ei ne r G ei Bl ernimmt zu den Storern- - einB eg ri ff , d er a us der Zei t d es Rol l-back und des Kaiten Kriegess tammt - Stel iung u nd nennt si eu.a. Nachfolger von Stalin, Hitlerund Goebbels in ihrer gei st igenMentalitai. Geimer nutzt dieMac ht d er M ik rophone. M it e in erLautsprecheranlage , die e iner S ta -d ion- PA z ur Ehr e ger ei ch t h at te ,macht er inzwischen seinebekannt e ro t/ gr un = braun-R ec hnung a uf : Si e haben Ihr eVorlaufer in den Faschis ten undKommunisten derWeimarer Repu-blik und Siesindnicht dieVertre-terder deutschen Jugend.R ech t h at e r - d en n d ie w er de na usge such t und e in ze ln e inge la -den. Diese Pol emik drangt s ichgeradezu auf. Arroganz derMac ht . D ie F ra ge st unde w ir d e in -gelautet . Jetzt soli der demokrati-sche Dia log mit den wirklichenVer tr et er n der d eu ts ch en Jugendpraktiziert werden.Ube r e in en k le in en S ei te ne in -g ang wer de n i nzwi sc he n k le in er eG ruppen Unge la de ne r r ei nge-l as se n. A uc h h ie r ro rn is ch e V er -haltnisse . Amphithea te r drangtsi ch auf. U nten der A del, g an zo ben u nd h in te n d er P ob el , u be rkleine Seiteneingange separa t rein-gelassen,.

    Geimer hal t d ie Sit uati on imRaum nur mit der Macht sei nerL au ts pr ec he r. E r s ag t e tw as z urAusbildungssi tuat ion der Medizin-s tude nt en , e in em t ra di ti on el le nAnsprechpotentia l des RCDS.Das S tamp fe n der K la pp ti sc hes et zt e in - d ie S ac he i st e ndgi il ti gg ek ip pt . E in e k le in e G ru pp e v onPunkies laBt sich auf e ine Schlage-r ei m it d em RCDS-Sa al sc hu tz e in .GeiBler, eimges gewo hnt ,s tr ei ch t s ic h i ib er s ei ne n mar ka n-ten Pony, der die for tschre i tendeStirngla tze kaschieren soli . Er zeigta uf d as s kan di er en de Pu bl ik um

    und fo rd ert d azu auf, di e - wie ers ag t - f ri ed li ch e V er sa mm lu ngn ic ht wei te r z u s to re n und kundigta n, au f k ei ne n F al l z u w ei ch en .Heine r GeiBl er a ls G ra l. hu te r d erVer samm lung sf re ih ei t. E r s at te ltnoch e inen in Sachen Demokra tied ra uf . Was L inke n und Grunen/Alt er na ti ve n Kop fz er br ec he nber ei te t, n ar nl ic h z .B . i n M it te l-amerika e ine Unte rsti i tzung zur ea li si er en , d ie moglichst keinedirekte poli t ische EinfluBnahmedarstel l t, is t fur Geime r kei n P ro -b le m. M it tel ame ri ka s ol i s o w er -d en w ie E lS a lv ador und f ur E I S al -v ad or i st D uar te g en au r ic ht ig .S ei ne F or de rung a n d ie soz ia li st i-sche Inte rnationale , nicht mehr dieSandinisten in Nica ragua zu unter -st ii tzen und fur salvadorianischevsrhaltnissc dortselbst zfi sorgen,w ir d m it Hoc hr uf en a uf d ie i nt er -nation ale Solidaritat beantwortet.Ein Auslandervertreter fuhlts ic h a uf d en ~ I an g er ufe n, m ach ta uf d ie Aus la nder fe indl ic hkei t i nd er B RD a uf mer ks am, b en en ntneueste traur ige Beispiele und for -d er t d as kommuna le Wah lr ec ht f urA us la nd er . G ei Bi er w ir d L ii ge nges tr af t, n ic ht dur ch den Aus la n-

    . . . .der ve rt re te r, n ei n, dur ch d iesammlung - aile sind stillhoren konzentr ie rt zu. Der Vert er e rh al t App la us . Geime r n iStell ung, aber sch on baldk la r, d aB e r e rn eu t e in z yn isldeologiepaket zu schnib eg innt : b is a uf s Wah lr ec ht ha il e Aus la nder d as g le ic he Rw ie a il e B un de sb ii rg er u ndkni ip ft d as g anze m it e in er Rfer t igung der Abschiebepraxid er Bu nd es re gi er un g. M ane in e Ver an twor tung , d ie Auder vor A rbei ts lo si gkei t z u sz en . D ie bes te Losung+ so Ge- sei immer noch der Kapita lexpi n e bendi e Lande r. W ie de r be in S tu rm der Ent ri is tung l os ,e s i st 21. 00 h , o ff iz ie ll es EndeVeranstaltung.Dann das gl ei che Bil d wAnf ang. Kol .. or te - S ch il dk roHaupt ei ngang und a boAm n ach st en M or ge n w irvon Provokation, Psycho-Teund Teu fe ls au st re ibung z usein.E in e A us sa ge , d er b ezo ge nG ei Bl er u nb ed in gt z ug es tiwerden muB.R a d ie r un g v o n K u r tW e b e r a u s D a s B l a ue v o mH imm e l , S e l b st v er l ag 1 9 8 3 Moritz von

    N R . 2 / 8 6 H1ERO IT ZOF e b r u a r ! Jt

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    Pop sta ttPol i t ikZurEntpolitisierungdes Rund-funks nahmNDR Pro-grammacherLutzAckermannin der UniGottingenStellung.

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    Usoziologische Institut deruniversitiit Gottingen hat in die-sem Semester einen kleinen Farb-tupfer im sonst grauen Unialltaganzubieten. Musiksoziologie heiBtein seltener Ableger dieses haufigdurch Wirklichkeitsferne geprag-ten Faches. Urn die Frage zu eror-tern, welchen EinfluB das MediumHorfunk auf den Musikkonsumbesitzt und welche Bedeutunggenerell Musik im Horfunk inne-hat, stand kiirzlich mit Lutz Acker-mann den Studenten ein kornpe-tenter Gast zur Verfi igung.Lutz Ackermann ist fiir dieMusikzusammenstellung undModeration von mehreren Hor-funksendungen des NDR, wie z.B.NDR 2 am Vormittag,Espresso oder dem ARD-Nachtprogramm zustandig.AuBerdem war er bis MitteDezember Leiter des Club, dermeistgehorten Jugendsendung desNDR ..Am Beginn des Gesprachesstand, man rnochte fast sagennatiirlich, die Frage, welchen Ein-fluB die Plattenkonzerne auf dieMusikredaktionen zu nehmensuchen. Alle Plattenfirmen versu-chen auf dieselbe Art und Weise,

    ihre Platten im Horfunk unterzu-bekommen. Neben dem taglichenZuschicken von Neuerscheinun-gen gehoren personliche Besuchevon Werbevertretern, sogenann-ten Promotern zum Alltag in denMusikredaktionen der Funkhau-ser. Dabei ist ein Promoter syrn-pathischer als ein anderer. Demhort man dann natiirlich lieber zu.Letztendlich entscheidet aberimmer der subjektive Geschmackeines . Musikredakteurs, wasgespieJt und was nicht gespieJtwird. Wir waren ja nur noch Spiel-balle in den Handen der Plattenin-dustrie, wenn wir uns vonbestimmten Promo tern beeinflus-

    H I E R O I T Z O

    sen lieBen.Ackermann ging im weiterenVerlauf auf die spezielle Problema-tik des Musikspektrurns im NDReio. Gab es vor Inkrafttreten desNDR-Staatsvertrages, zu Beginndieses Jahrzehnts, eine klare Tren-nung der.Musikfarben zwischendem ersten und zweiten Horfunk-programm - unterhaltende Musikfiir altere Leute im ersten Pro-gramm, unterhaltende Musik fiirjiingere Leute im zweiten Pro-gramm, so gibt es jetzt in beidenProgrammen ein Gemisch vonHeino bis ACIDC, das auf Dauerniemand zufriedenstellen kann.1m Gegensatz dazu steht ein ein-deutig zuordbares Musikpro-gramm, wie HR 3 es taglich aus-strahlt, so daB dies auch die hohenEinschaltquoten dieses Senders imsudniedersachsischen Raumerklart. Angesprochen auf die bal-dige Konkurrenz von Privatfunk-anbietern im norddeutschen Raummachte Ackermann keinen Hehldaraus, daB sich dies entscheidendauf die Einschaltquoten auswirkendiirfte. Wenn die ein nur halb-wegs populates Programm produ-zieren, dann gehen unsere Ein-schaltquoten aber in die Knie. Dakonnen wir nie und nimmer rnitha l-ten.Die zunehmende Entpolitisie-rung des Programmes, gerade imBereich des Jugendfunks, stehejedoch in keinem Zusammenhangmit der kiinftigen Konkurrenz vonPrivatfunkanbietern. Lag derAnteil der Beitrage mit politi-schem Inhalt im Club vor einigenJahren noch bei 80 %, so ist erinzwischen auf etwa 30 % gefallen.Das ist immer noch weit mehr alsunsere Horer iiberhaupt wollen.Eine Studie aus dem Jahre 1981,also zu einem Zeitpunkt, als derAnteil politischer Beitrage nochrelativ hoch war, hat ergeben, daB

    J . 1 l 'r J . J . jSEY

    J U r e . .WAWN

    A i t o - tNAM SA

    lediglich 0,8 % (!) der Horer einInteresse an politischen Beitragenhat. Etwa 80 % der Horer warenzum Zeitpunkt der UntersuchungausschlieBlich an Musik interes-siert , die restlichen Anteile verteil-ten sich auf Starinterviews undkleine Servicedienste.Ackermann verneinte entschie-den den Vorwurf, daB der Horfunksomit der allgemeinen Tendenz zurEntpolitis ierung Vorschub leistenwiirde. Die Bereitschaft, sich fiirPolitik zu interessieren, wird nichtdurch den Horfunk geweckt. Dasgeschieht woanders. Wir haben mitunseren Beitragen oftmals eineinteressierte Minderheit, diebereits informiert war, noch ein-mal informiert. Das kann nicht dasProgrammziel sein.Einer der Hauptgriinde fiir dasgenerelle Desinteresse an Beitra-gen liegt nach Ackermanns Wor-ten in den katastrophalen Kon-zentrat ionsschwachen von Jugend-lichen im akustischen Bereich.Untersuchungen der HamburgerUniversitat und des NDR, die inletzter Zeit durchgefiihrt wurden,seien zu erschi itternden Ergebnis-sen- gekommen. So wiirden Satze,die mehr als dreizehn Worteumfassen, von einem achtzehnjah-r igen Jugendlichen kaum noch ver-standen werden.Es ist kein Wunder, daB sich derHorfunk in den letzten Jahrenimmer mehr zu einem Nebenbei-medium entwickelt. Bedenktman, daB einige offentlich-rechtli-che Horfunkstationen nur nochBeitrage senden, die vier Minutennicht iibersteigen diirfen, ganz zuschweigen von den Program min-halten der schon existierenden Pri-vatveranstalter, kommt man leiderzu dem SchluB, daB die Zeiten, alsein Radiogerat mehr als Gerausch-kulisse war, wohl endgiiltig vorbeisind.

    Axel Artmann

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    HM: Vor kurzem wol lt en die michja haben, aberi ch habe abgel ehnt . SoLange d ie da Sch lage rmachen, gehe ichda auch nicht hin.HI: Aber Immer mehr- istdoch einSchlager.HM: Ja, aberhinterdiesemschlageriihnlichen Liedsteht nunmal ein Rockmensch find kein Schlage-raf fe , und auf diese Abgrenzung lege ich Wert,obwohl ich weijJ,dajJes eine solche Unterschei-.dung inEngland oderden USA nicht mehr gibt.HI: Die Frage Schlager oder Rockmusik ist a lsofur Dich mehr eine Frage der Szene und wenigereineder Musik?HM:Ja.HI: Du warst ja wahrend Deiner musikal ischenPubertatsphase Mitglied einer sogenannten Polit-Ro ck Ba nd - de r LOK KREUZBERG . T rot zDeines politischen Engagements tauchen inDei-nen Texten nieht explizit politische Themen auf.Sind die Zeiten der Aufklarung durch die Rock-musik vorbei?HM: Ichhabe dieErfahrung gemacht, dajJDiralsKunstler, wenn Dupermanent politisch drauf bist,so LangsamDeinePhantasie dahinstirbt, und dasistfur Texte und Musik gleichermaflen schlecht. Soe in Stuck wie Dejavue hat te ich nie schre ibenkonnen, wenn ichnoch PoLitrockgemacht hatte.HI: Also ist d ie Asche der Lok doch noch nichtverflogen?HM: Nee ,so i stdasnicht . Ich habez.B. versucht,e inen Tex t uber Afrika zu schre iben. Dummer-weise k link t s ich mein Kopf in Form von hartemZynismus so iibermdjiigein, dajJichden Text weg-geschmissen habe, weilich Zynismus einfach nichtmehr aushalte. Zynismus isteine Sache, diehabendiealten Leute umsonst, dieseEigenschaft brauchtman sich so [ruh. nicht anzugewohnen. Wenn dieMusik pol it isch verandern kann, dann nur uberpositive Gefuhlsentwurfe und nicht iiber Zynis-mus. Wenn ichanfange, politisch zu denken, dannkomme ich ganz hartdrauf Als pol it isch denken-derKiinstlermujJmanja nicht unbedingt mitPhra-sen um sich schmeijJen, um glaubwiirdig zu sein.Detham waja alletschoma jemacht.HI: Du bist a lso Pro tagonist der strik ten Tren-nungzwischen Politik und Rockmusiktexten?HM: Na,so auch wiedernicht. Aber ichalsKunst-lerwillmich nichtin[eden tagespolitischen Klinsch.reinhiingen.lch willkeineKompromisse machen-ja ichdarfsogarkeine machen. Ich mujJ TriiumerbLeiben.HI: Traume werden aber n icht sel ten durch dieRealitaten in ihrer Verwirklichung behindert.Deshalb muBdieseRealitat doch auch Thema fureinen traumenden Sanger sein, oder?HM: Ja na klar, aber um sich darauf einzulassen,braucht man Wut und die wol lt e ich speziel l beimeiner neuen LP nichthaben. Ichwollte wasSinn-l ic he s machen. Das nehme i ch mir v or wie e inMalerdas Motto seines Bildes festlegt.HI: Zum SchluBwii rde ich Dich ganz gem nochauf ein ige Stichworte festlegen , d ie Du bit tes ch ne ll u nd knapp komment ie ren mufst es t.

    I c hs p i e l ei iberal ld a r t ,woe lnT i s c hs t e h td e rgrofg e n u gi s tu rni h na l sB l i h n ez ub e n u t z e n .

    a m 6 . F e b ru a rin d e r O u t p o s t

    Machst Dumit?HM: Na lelar.Losgeht's ....TOURNEEschonERFOLGWichtig, aber man muBdifferenzieren.Erfolg istnicht Koble.GRUNSehr positive Farbe.FRAUENWichtigBORIS BECKERwww,scheinbar auchwichtig.NINA HAGENAlte Geschichten soli manruhen lassen.BUXA BARGELDSoileinsehr skurilerTyp sein. Ichkenn ihnnicht.KREUZBERGGute Gegend.RUmAlter Ego.OUTPOSTSoll'n Superladen sein, sagen aile.

    STATIONENvonHerwig M.Als ich drei Jahre alt war, s tanden hohe Bergeum mich herum, und ich fOhltemich k lein, bis ichanf ing, im Sandkas ten meine e igene Wel t z ubauen , i nde r i ch e in R iese war , der a ll es i nde rHand hatte.Mit sechs konnte ich noch keinen zusammen-hiingenden Satz sagen, also wurde ich nicht ein-geschult.Aber ich bekam einen k leinen Hund, dessengroBte Faszination es war, dem Treiben drehen-der Rader zuzuschauen. Eines Tages l ief er aufdieStraBe undversuchle, inden Reifen eines fah-renden Autos zubeiBen. Erkonnle mir nicht mehr

    sagen, ob er hinler das Geheimnis seiner Faszi-nalion gekommen war.Mit zehn hat te ich einen Stiefvater, der mir par-tout die gemeinen Tricks seelischer Messerste-c he re i bei br ingen wol lt e. E r s ta rb aber bald aneiner Oberdos is Alkohol , und ich dachte i rgend-w ie Gott se idank . M ir war bewuBt, daB d iesunfromm war. Also fing ichan,aus derKirche aus-zutreten.Aisich sechzehn wurde, warich dereinzige von20 Hippies , der wuBle, was erwerden wol lte.Ich kaufte mir ein Schlagzeug. Alles , was jedawar , um I am il ia re Veran twor tung zu t ragen,s ch lug d ie Hande Oberm Kop f zusammen. E inJahr spater war ichimmatrikulierter Student einerMus ikhochschule, die 'ne Menge Wart auf s lchlegte.Dann wurde ich plotz lich Vater und saB mit em-undzwanzig im Frack und mit F liege im Orche-

    s tergraben und spiel le alles , was man an Nolenauftreiben konnte.Ir ge ndwann sa h i ch n ur n oc h schwar z un ddanach rot und dann f lOchtele ich nach Kreuz-berg,Dor t f ing i ch an, i ne i ne r Band zusp ie len, d iekeine Roadcrew wollte, weil sieein geslortes Ver-haltnis zur Arbeiterklasse hatte. Also schlepplenw ir d ie zwe i Tonnen Equ ipment sel bs l auf d ieBOhne und nach dem Auf tr it t w ieder runler. Ichfing schon fast an auszusehen wieeine Schrank-wand, alsdie Band einfach absturzte.Ich fand mich wieder mit ten in einer f remdenStadl , imRegen und ohne Job.Ein Freund wol lte mir hel fen und bot mir einenJob als Aushi lf slehrer an einer Gesamthoch-schule an. Ich fuhr dreimal umdas Gebaude undstell te mir vor, ich hat te all den Beton unter denFOBen,der da inden Himmel raqte.Mit fOnfundzwanzig I raf ich eine Sanqerin mite in er Ban an ens ch al e a uf d em Kop f u nd i chanderte meinen Schlagzeugsti l. Wir grOndeteneine neue Band.Aber als wir 18Monale spater von einer Euro-patournee wiederkamen, las die Bananenschalei nde r Bravo , s ie sei j et zt berOhmt . S ie l ie f z umnachsten Moneymaker und verkaufte sich.Siehatte sich schon immer einbesseres Lebenals Citrone gewOnscht.Aisich siebenundzwanzig wurde, redete ichnurnoch englisch, wei l wir Leule inder Band hat ten,die deulsch fOreine verunglOckte Sexualschlachlzweier Bagger hielten. Wir traurnten zusammendavon, den Amerikanern Coca-Cola zu verkau-fen. Fotos: Giinter Rakete

    Doch die Amis hat ten die besseren Nwarteten einfach aboIch vermute, siewarten heute noch.Ich bekarn eine Goldene Schal lplatteich nicht wuBte, wohin ich s ie hanqenmeine Wohnung zuk lein war.Eingeweihte ausder Plattenbrancheden Tip, jetzt doch mal ein Konlo einzuIchschrieb einen Song mitdeutschemnannte ihn MOiler. Die Band tauften wgaben ihr e inen Phant as iena rnen , dbegreifen konnte.Mil achlunzwanz ig befand ich rnichTournee und stand ander Reception d"Si lberfisch, als mein Manager meinihr seid Nummer eins inden Charts!IchfaBte dasals Beleidigung aufundden ausgestrecklen Mittelfinger.AisichdreiBig wurde, grOndele icheinband, urn zu sehen, was Emanzipat ionist.V orh er h atte ic h e ine P la tte vo llgeschrieben, gelexlet, arrangiert undbim Schatten eingespielt.Die Platte f ing bald an, ein Eigenlebenaber die Band Oberlebte den harten WiMiteinunddreiBig saBichauf einem Bbeobachtete zwei spielende Kinder.PI6tzlich umarmten siesich.Dawurde mir k lar, daB eskeine Formd~s Ver ga ng en e auf ei ne n Nennerkonnte, aber wenn es eine gibt, die mfOr a ll das besch re ib l, dann meint s iemehr davon, dann heiBI s ieIMMERMEHR

    N R . 2 I 8 6 H I E R O I T Z O H I E R O t r z o N R . 2 1 8 6

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    Der A u fs ta n dDie Fahrerschaft wilterte (zurecht) Unrat, BefOrchtungen wur-den laut, durch Entzug des Aus-weises konnten unliebsame Kolle-gen perfekt kaltgestellt werden.",!as verhindert werden sollte, pas-sierte also: Ein Aufstand brach los.Und scheiterte. Aber in diesemG.ebrodel von Wut, Angst und Ent-tauschung wuchs unter einigenFahrern die Einsicht, daB es sonicht weilerginge. Das war zwarnichls umwerfend neues aberdiesmal hatte es Foigen. '

    Die GrOndungAus den Kneipengespracheneines kleinen Kreises fruslrierterTaxifahrer entstand die widerErwarten feste Absicht, sich mitHille eines Mietwagenunterneh-mens selbstandiq zu machen.PuK-minicar sollte es heiBen, inAnlehnung an die Ende der 60erJahre in Goltingen florierenden- :. . ; ; ;; ; .= = = = = = = = = = = = = = = = , ; ; " . . _ _ . . . . . ; ;: : . . . . J Mietwagenunternehmen. DieV o n n Y n a n damaligen Minicars waren zwarmit Mann & Maus schrnahlichuntergegangen, aber man hoffte,daB sich an das Fiasko keinerf Uh ren W I r I n mehr erinnern wOrde. Zu recht, wiesich zeigen sollie.Doch bevor man sich ans Perso-nenbetordern machen konnle, ward I e e l 9 e n e las c h ' noch eine kleine unwichtige peku-iare HOrde zu nehmen. Autoskosten bekanntlich Geld, und daswollte man ja eigentlich ersl ver-dienen. Die Banken erwiesen sichals besonders aufgeschlossen,und so begann jeder in seinemeigenen Bekannten- und Ver-

    wandlenkreis zu sammeln. PrivateKredite wurden aufgenommen,und irgendwie kam das benotiqteGeld tatsachlich zusammen.Die ersten sechs Fahrzeuge,allesamt Toyolas (belriebsinlern:Coyoten), wurden per Leasingbeschafft und in einem bunkerarti-gen Raum des Iduna Zenlrumseine Funkzentrale eingerichlet. Daaber allen Betei ligten klar war, daBallein durch das Bereithalten einergroBeren Anzahl von Mietwagennoch keine Fahrqaste anzulockensind, beschloB man, die Taxitarifeeinfach zu unterbieten. Dannwurde die Werbetrommel zaghaftgerOhrt, und am Morgen des1.2.1985 saB die Mannschaftgespannt ums Telefon versammellund harrte der Fahrqaste.Nach etwas zoqertichen Antan-gen Obertraf der Erfolg aile Erwar-tungen. Akuter Fahrermangelbrach kurz1ristig aus und vieleTaxikutscher sprang en (wenn dasihre Chefs gewuBt hattent) solidar-itatshalber ein. FOr manche vonihnen wurde aus der spontanenHillsaktion ein fester Job. Dashalte Signalwirkung. Immel'" mehrInteressenten, darunter viele Taxi-fahrer, bewarben sich um Fahrer-jobs.

    - P u K - m i n i c a r -K l e i n e s G r o B u n t e r -n e h m e n o h n e C h e f A is d ie F i rma PuK -m i n icar imF eb ru ar letz ten J ah res ih renB etr ieb au fn ahm , u nkte som an ch ein er, P uK stu nde fu rP leite u n d K o n k ur s. D oc h dasP er so n en b efo rder un g s- u n d

    Ku r ier dien stg esch iift er w ie ss ich of fens ich t li ch a ls so lukra-tiv , d aB das Un te rn ehmen s ei-n en W agenpark von 6 au f 13Fahrzeuge erhohen k o n n te u ndm ittlerw eile fast 80 Leu tebesch i if ti g t. Und : D ie Mehrzah lder Fahrerun dFahre ri nnens indu ber E in lag en zu M itgesell-schaftern der PuK -m in icarGmbH gewo rden . E i n Be tr ie b imBesi tz der Belegschafta lso?My th o s u n d R ea litatHartnackig hal l sich der Mythosvom lonesorne taxidriver, dervornehmlich nachts auf der Suchenach Fahrqasten durch neonbe-leuchtete StraBen pirscht. Diesen

    'Q ] N R . 2 f 8 6 HIERO ITZO

    kinowirksamen Vorstellungensteht aber leider nur allzu oft derfruslrierende Arpeitsalltag entge-gen. Stalt fesfem Stundenlohnerhallen die Fahrer z.B. in allerRegel bis zu 40 % des eingefahre-nen Umsatzes der jeweiligenSchicht. Das ist an manchenTagen oft wenig genug. FOr viel-leicht 10 Stunden Arbeit manch-mal nur 60,- DM Lohn - kein Wun-der, daB da so mancher Kutscherlieber weiter am eigenen Mythosfeilte, anstalt sich mit seinemArbeitsalltag auseinanderzuset-zen. Unzufrieden war zwar jederirgendwie, irgendwo, irgendwannmal, aber es langte meist nicht malzu einem Zwergenaufstand. Hat-ten sich die Taxibesitzer samt ihrerVereinigung (TBV) mit diesemwenn auch labi len Zustand zufr ie-den gegeben, alles ware beimAlten geblieben. Doch nein, dieChefs muBten ihren Kutschernunbedingt zeigen, wer hier derChef ist. So kreiBte die TBV undgebar den Funkausweis. Fortansollte nur noch der einen AuftragOber Funk erhalten, der das kleineg~lbe Kartchen samt Lichtbi ld seineigen nannte. Da aber die Fahrerauf die Funkauftraqe angewiesenwaren, brauchten sie den Aus-weis. Der TBV jedoch muBten siebei Erhalt des' Ausweises nebenanderem per Unterschrift zusi-

    ch.ern, sie konne ihnen das gelbeKartchen jederzeit ohne Angabevon GrOnden wieder entziehen.D as A n der eErklartes Ziel der FirmengrOn-der war es, mit ihrem neuenBetrieb eine Alternative (da ist es,das heiBgeliebte/gehaBte Wort!)zur Taxifahrerei zu schaffen. ZweiGrundsatze sollten das bewirken:Zum einen wurde allen Beschiiftig-ten nahegelegt, sich Obereine Ein-lage ~n der Firma zu beteiligen,und In der Gesellschafterver-sammlung sollten aile Belangedemokratisch entschieden wer-

    den. Zum zweiten hieB die Devisegleicher Lohn fOr aile. Nicht meh~die einzelne Kasse sollte Oberden Verdienst entscheiden, son-dern der monatliche Gesamtums-atz. Lobenswerte Vorsatze, die esnoch an der Realitat zu OberprOfengalt.

    Zw ischenb i l anzAm 1.2.1986 feiert die alterna-tive Arbeitsplatzbeschaffungs-masnahrne- PuK-minicar ihr ein-[ahriqes Bestehsn. Auch wenn dasschon eine Leistung an sich ist,haben sich viele der hochtraben-

    den Hoffnungen bis heute nichterfOIit . So haben die Lohne inzwi-schen bestenfalls Taxiniveauerreicht, und das bei deutlichhoheren Urnsatzen, Hinweise aufdie enorme Kostenbelastung, sozahlen Mietwagenunternehmenaus nicht ganz einsichtigen GrOn-den doppell soviel Umsatzsteuerwie die Taxen, verrnoqen nicht vol-lig zu Oberzeugen. Andrerseits hatman narnl ich wider besseres Wis-sen den Wagenpark auf 13 Fahr-zeuge aufgestockt. Erfahrungenvon Mietwagenunternehmen ausanderen Stadten belegen hinge-gen, daB die Anzahl der Mietwa-gen nicht mehr als 10 % der zuge-lassenen Taxen Oberschreitensollte. In Gottinqen sind allein 99Taxen zugelassen.Auch das Entlohnungssystemhat sich in manchen Bereichen alsBumerang erwiesen. Der Lei-stunqsdruck auf den einzelnenFahrer, moglichst hohe Urnsatzezu fahren, hat zwar nachgelassen.DafOr werden die Fahrer in man-chen Schichten von Auftrag zuAuftrag gehetzt, damit der Monats-umsatz (also auch der Lohn!)stimmt. Pausen mOssen manch-mal massiv erstrilten werden.Unter dem Strich heiBt das:Mehr Arbeit fOr denselben Lohnwie auf der Taxe.Auch die Gesellschafterver-sammlung, auf der aile wichtigenEntscheidungen demokratischgefallt werden sollen, versandetzunehmend im eillertigenGeschwatz vorgefaBter Meinun-gen.Zwar scheint die Krise vorpro-grammiert, doch so l ite man nichtEnergie dieses Unternehmensuntsrschatzen. Innerhalb einesJahres vom belachslten AuBensei-ter zum kleinen GroBunterneh-men, das ist eine Leistung, zu derman nur gratulieren kann. . meyer

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    K INOWELT INDERPROV INZGo tt in g en h at e in en n eu en F llmv er le ihilmstadt Got tingen - das meintic ht meh r n ur d ie S tu di os d erFiImautbau in den 50er Jahrennd die vielen dort entstandenenFilme. Das meint heu te auch dasmit tlerweile ins 8 . Jahr gehendeGottinger Filmfest, das meint dieortliche Dependance der WestaU-gauer Filmproduktion, die Aktivi-taten der Syndikat Dokumentar-f ilme r u nd d en o rt sansas si genrenommierten KunstfilmverleihDi e Lup e , Und d as mei nt s ei tn eu es tem auch d en Kinowe ltFilmverleih.Ein kle ines Bii ro im oberstenGeschoB eines mehrstock igenMietshauses in der GartenstraBe,vollbepackte Regale, einiiberquel-lender Schreibtisch, Filmplakateander Wand - h ier resid iert Got-t ingens j iingster Filmverle ih .Biirovorsteherin Anne Ahrendskoordiniert von hier aus seit Sep-

    tember dievielfaltigen Aktivitatender K in owelt . S ec hs F ilm eumfaBt mittlerweile das Angebot.Ang efan gen abe r h at a ll es mitGregory' s Gir l , e in F ilm desSchotten Bill Forsyth, der hierzu-lande mit seinem Local Herobekannt wurde. Der durchschla-gende Erfolg vonGregory's GirlvorzweiJahren aufdem GottingerFilmfest veranlaBte Verleihgriin-derMichaelKolmel, sich diedeut-schenRechte andiesemStreifenzusichern. Der Erfolg gabihmrecht.Inzwischen ist auch Bill Forsythserstes Werk That sinkingfeelingim Angebot und dessen neuesterFilm Comfort and joy kommtvoraussichtlich diesen Monat auf

    N R . 2 1 8 6 HIERO ITZO

    den Ma rkt. D as w ir d dann de re rs te F ilm der Ki nowe lt , d ernicht untertitelt, sondern in einerdeutschsynchronisierten Fassungauf d ie bundesdeutschen Lein-wande kommt.Anne Ahrends undMichaelKol-melsindkeine Neulinge indiesemGeschaft, Bislang waren siealler-d ings zumeist am anderen Endeder Telefonleitung zuhoren, Nichtals Verleiher, sondern alsEntlei-h er v on F ilmen. Fas t v ie r J ah relang haben siezuerst fiir dasHerz-berger Filmtheater Kinowelt- (!)und dann auch fiir das Cinema unddieStudio Kinos in Gottingen dasProgramm zusammengeste ll t,b ev or s ie d ie se Job s meh r o de rweniger freiwillig aufgaben. Beidesind auch seit einigen Jahren Mit-organisatoren der Gettinger Film-feste. Keine schlechte Vorausset-zung fii r das Verle ihgeschaft .Denn soweiBman/frau auseigenerErfahrung, wieman mitden Kun-den umzugehen hat.Ebenfal ls im Programm derKinowe1tist im iibrigen auchdieWAF-Produktion Daheim ster-ben dieLeut', die zurZeitim sud-deutschen Raum aile Kassenre-korde bricht.

    P.S. 1m Februar werden .gleichdreiFilme der Kinowelt (Grego-ry' s Gir l, Tha t s in ki ng fee li ng ,Another t ime - another p lace) inden Studio Kinos im Iduna Zen-trum zusehen sein!

    meyer

    DERFREMDEBLICKNoch bis zum 9.2 . laufen inderSt. Michael Gemeinde die Aus-landere-Filmtage der FKI. Wienehmen unsere auslandischen Mit-b ii rg er u ns und unsere Kul tu rwah r? Und w ie nehmen wi r s iewahr? Zu diesem Thema zeigt dieFKI eine Vielzah l deutscher undauslandischer Filme. Darunter sol-che Klassiker wie Angst essenSeele auf und Katzelmacher-von Fassb inder. Mit neueren Fil -

    men wieJeanine Meerapfels DieKiimmeltiirkin geht (1985) willman einen tieferen Einblick indieinneren kuItureIlen und sozialenPro bl eme d er b ei u ns l eb endenAuslander geben.Zwei Diskussionsveranstaltun-gensollendas Thema vertiefen hel-fen . AbschluB und Hohepunktwirdein internationales Festin denRauml ichk ei te n d es GSO i ib erdem T.-Keller bilden. Dortb ekommt d ie FKI ab Herbs t imiibrigen einefeste Abspielstelle!Die e in ze ln en Termine s in dunserem VeranstaItungskalenderzu entnehmen.

    FLETCH-D ER TROUBL EMAKERIn immer wieder neuen Verklei-

    dungen ist Reporter-Detekt ivF le tc h d em Verbrechen auf d erSpur. Uberall muB Irvin FletchFletcher seine Nase reinstecken,sehr zum Leidwesen der Rausch-giftmafia.Komiker Chevy Chase spieltdieHauptro lle in d iesem LustspielnachMotiven vonGregory McDo-nald. Regie fiihrte Hol lywoodRoutinier Michael Ritchie.

    T E EN W O L FS c ot t H o w a rd s c he in t e in d u rc h-s ch ni t tl i ch e r J u n ge i n e i n er d u r ch -s c hn i tt li ch e n a m e r ik a n is c he nK 1 ei ns ta d t z u s ei n. D o ch d an nu n d w a n n e in b i Rc he n J u ck e n u r nd i e O h re n , e in p a a r u n be a bs i ch -t ig te K n ur rt on e, A ug en , d ie i mD un ke ln r ot l eu ch te n. U nd a lse in es a be nd s s ei n B a sk et tb al l-t ea m m a l w ie de r z u v er li er ens ch ei nt , b ri ch t e r h er vo r, d eri n ne r e W e r wo l f. A b e r n i ch t p a n i -s ch es E n t s et z en i s t d i e F o l g e , s o n -d em d ie K id s s in d b eg ei st er t,Sco tt w ird zu einer loka lenB e r ii hm t he i t u n d s o g a r s e i n h e im -l ic he r S c hw a r m P am el a b e g in n ts i ch f i ir i b n z u i n t er e s si e r en .

    Martin Choroba und Stefan Weller von der Gottinger CFWSyndikat Filmprodukt ion bei den Dreharbei ten zuSpinner vom Garteta l, Der Film l iuft am 4. Februarnachtschlafener Zeit um23.30 Uhr auf Nord 3.

    D I E E H RE D E RP RI Z ZI S' Irene Walker (Kath leen Tur-ner), eine Killerin der Mafia wirdau1Chariey Partanna (Jack Nichol-son) angesetzt . Sie verlieb t sichj ed och i n i hr Opfer . Was I renenicht weiB, ist,daBdie Enkelin desDon, Maerose Prizzi (AnjelicaHuston), ebenfalls inPartanna ver-Iiebt istund altere Rechte anmel-det.RegieHuston.

    R OC K Y I VD E R K A MP F D E SJAHRHUNDERTSDiesmal gibt sich Rambo Stal-lonenicht mehr mitirgendwelchenHil fs trup pen abo Ab j et zt wirdzur ii ck gehauen und zwa r d emIwan direkt auf die Nase. Naprima. Ronnie wird seine Freudedran haben.

    A N O TH E R T IM E -A N O TH E R P LA C ESeptember 1944- In einer klei-ne n la ndl ic hen Geme inde i mNordosten Schot tlands t ri fft e inArmeelaster mit i ta lien ischenKri eg sg efan genen e in . Unt erihnen Paolo, Umberto und Luigi.Siebegegnen hierder FarmersfrauJanie. Nach anfanglichern MiB-trauen entwickelt sich schlieBlichzwischen Luigi und Janie eine lei-denschaftliche Beziehung. Dochd er Kri eg n ah er t s ic h d em Endeund die Gefangenen werden baldinihre Heimat zuriickkehren.M icha el Rad fo rd s (1984 )erster Spielfilrn jetzt endlich auchbeiuns im Kino.

    HIERO ITZO N R . 2 1 8 6

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    K ILH O L G E R ' SZ E I T G E -M A s S E S R A D IOJa, ich weiB, nun seid ihr aileganz begierig, zu erfahren, wassich so auf Mittelwelle tut. Abervorher muB ich noch zwei Korrek-turen zum letzten Mal anbringen.THE ALAN BANGS CONNEC-TION wurde abgesetzt, da Alanvon nun an am gleichen Tag, jeden

    Dienstag also, den ARO-NACH-TROCK moderiert, den aile ARD-Rundfunkanstalten nachtl ich von0.00 - 2.00 Uhr ausstrahlen. PaulBaskerville's NO WAVE bleibt lei-der da, wo sie ist; aile zweiWochen freitags urn 23.05 aufNDR 2. Nun aber zur lEITGE-MASSEN MITTELWELLE:Ich beginne gleich mal mit der inmeinen Ohren fortschrittlichstenSendereihe RIZZ von RadioBremen (MW 905 Khz). Von Mon-tag bis Samstag bietet sie parallelzum NOR CLUB, 18.05-20.15,freitags nur bis 20.00 Uhr, genaudas, was der CLUB peinlichst ver-meidat: abwechslungsreichsteMusik, wo ein gewisser Schwer-punkt auf der Independent-Szene

    liegt. Das Spektrum reicht vonPunk Ober Wave, Psychedelia,Trash und anspruchsvollem Popbis hin zu gutem Soul, Rock undJazz. Besonders stechen von denModeratoren Axel Patrick Som-merfeld, Emilio Winschetti (exMYTHEN IN TUTEN), EfaSchOtte und Otmar Willi Webergenannt Owi hervor, die Schei-ben spielen, die man ansonstenwohl kaum nochmal zu Gehorbekommen wird. Hohepunkt jedenMonat ist der Auftritt John Peel's,der an einem Donnerstag imMonat extra fOrRill nach Bremenkommt. In der zweiten Stunde gibtes meist sehr engagierte Wortbei-traqe. Themen wie Neofaschis-mus in der Bundesrepublik, dieLage in SOdafrika oder die Pro-bleme Nicaraguas werden sehreindringlich ertirtert und die Pro-bleme von Minderheiten in unse-rem Lande werden nicht nur ange-sprochen, sondern man setzt sichauch fOr sie ein. Ich kann Rillwirklich nur jedem empfehlen,auch wenn der Empfang athmo-spMrenbedingt in den Wintermo-naten oft nicht besonders zufrie-denstellend ist.In Radio Bremens neuer Nacht-sendung STOCKWERK, Mon-tag bis Donnerstag 23.15 bis 24.00Uhr, senden unter anderem EfaSchOtte (aile 2 Wochen montags

    heiBt es Efa's Aftairs) und mit t-wochs abwechselnd John Peelund Emilio Winschetti Schwer-punktthemen und Musik, die fOrihre FrOhabendsendungen nichtso geeignet ist. Eine reine Musiksendung dage-gen ist das ROCK-CAFE imDeutschlandfunk aus Koln, gut zuempfangen auf MW 756 khz. DieSendung lauft taqlich von Montagbis Freitag 16.05 - 17.00 Uhr. Anjedem Tag ist ein bestimmterModerator am Mikrofon, allerdingsgibt es manchmal vorOberge-hende Umstellungen in der Mode-ratorenfolge. FOr normal sieht dieROCK-CAFE Woche so aus:Montag: GOnther Janssen,bekannt von der erfolgreichenWDR 2-GRAFFITTI, die ich imletzten Heft ansprach. Ahnlich wiein GRAFFITTI bringt GOnther auchhier sehr abwechslungsreicheKost aus der zeitgemaBen Musiks-zene. Dazwischen sind hier aberauch immer mal ein paar Perlenaus vergangenen leiten.Dienstag: Karl Lippegausbeschaftlqt sich hier mit schwarzerMusik, von Salsa, Reggae undBlues bis hin zu Soul und Funk.Sehr informativ fOr Freunde dieserMusik!Mittwoch: An diesem Tag bietetPetra MOiler eine bunte Mischungvon Funk bis Punk. Es geht wirk-lich immer querbeet zu, abergerade davon lebt diese Sendungund Petra's charm ante Ausstrah-lung tut ein Obriges dazu, daB ihreSendungen eine der Hohepunktemeiner Radiowoche sind.Am Donnerstag mit Karlo Mey

    kommen dann die Fans traditionel-ler Rockmusik zu ihrem Recht.Karlo bietet eine abwechslungsrei-che, eingangige Kost zwischenLONG RYDERS - II TOP -SCORPIONS.Der Freitag ist meist Schwer-punktthemen gewidmet, die sovielschichtig sind, daB es mOBigist, s ie hier aufzahlen zu wollen. Anmanchen Freitagen bringt aberauch Udo Viet eine nette, lockereMischung zwischen Mainstreamund progressivem. Seine Sendun-gen sind von jedermann gut anzu-horen, egal, welche Musik manbevorzugt.Insgesamt zeichnet sich dasROCK-CAFE wirklich durch nive-auvollen Abwechslungsreichtumund fachkundige Moderatorenaus. Heinhoren! .Nun noch zu RIAS II, MW 855khz. Seit Oktober gibt es hier einetaqliche Sendung mit demunglOcklichen Namen POP-CORN. Meist halt sie leider auch,was der Name verspricht, aber derMittwoch zeigt eine Ausnahme.Dann ist narntich der schwerge-wichtige Burghard Rausch amMikro. Seine Sendung bietet eineleichtverdauliche, aber interes-sante Rock/New Wave-Kost mitallerlei Einlagen. Da gibt es dieTop 3 des Horers, Horer schik-ken ihre AII-time-favourites ein, dienichts mit der Hitparade zu tunhaben dOrfen. Die ausgelosteMusik wird dann gespielt , und derAbsender gewinnt dazu noch eineLP. Den letzten Teil der Sendung,die von 14.00 - 16.00 Uhr geht,bestreitet Burghard mit den TOP15 der britischen Independent-Charts.Empfang: lur Zeit dOrftig, ver-bessert sich aufgrund des lange-ren Tageslichts jede Woche etwasund wird in ein bis zwei Monatenrecht gut sein. Auf Mittelwelle wer-den mit Einbruch der Dunkelheitnaheliegende Sender schwacherund weit entfernte starker.Das war es also, was ich andeutschen musikalisch fortschrittli-chen Sendungen auf Mittelwellekenne. In der ubernachsten Aus-gabe gehe ich auf einige auslandi-sche Programme ein. Bis dahin:STAY TUNED!

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    NACKTERWAHN SINN

    Nichts los heiBt es gleich aufder ersten Seite desrammheftes. Dabei mull es sich wohl urneinenrtumhandeln oder einen dieser Faile von typischitischem Understatement. Schlie8lich wird dochzt Theater gespielt, noch dazu eine Komodie. Daszumindestnette undabwechslungsrei-he Unterhaltung.Der Anf ang i st v ie ll ei ch t etwass el ts am . Da t ap st s o e in e i rr it ie rtguc ke nde Ges ta lt a uf d ie B ii hne,e rzahlt was von e inem Telle r Sardi-nen und daB sie sich s vor demFernseher gemiitl ich machen will .Abe r d as kannj a noc h was wer de n.Lei de r w ir d s n ic ht s m it Dot ty sge lungenem Auftri t t a ls Mrs. C lak-k et t, der Perle i m L an dhaus d erB re nt s. S ol i s ie nun e rs t d en Tel le rm it d en Sa rd in en a bs tel le n, o dere rst dieZe itung wegraumen, bevorsie an's Telefon geht. Wasges ch ie ht d enn nun m it d em Fer n-s eher ? Und was s te ht i ib er ha up t im

    Textbuch?Nun, das Ganze nennt sichNackte r Wahnsinn, skizzier t e inh ei ll os es Cha os vor und h in te r d erBiihne , is te in S ti ick i ibe r e in Thea-ter st i ick und derze it ine iner Insze-n ie rung von D ie tr ic h W. H ii bs cha m D eu ts ch en T he at er z u s eh en .Michael Frayns Komodie - derze i-t ige r Hit an den bundesdeutschenB ii hnen - w ir d a uc h i n Got ti ng ene in e Menge F an s f inde n. Denn d ie -s es S ti ic k ma ch t au sn ahms lo sSpaB.

    Zur uc k z ude n S ar di ne n. Dot ty -S chat zc he n k ri eg t i hr en P ar t n ic htgeregelt und Lloyd-Scha tzchen,seines Zeichens Regisseur, vermagdie Verwirrung seine r Darstel ler ina uc h n ic ht r ec ht z ube se it ig en . M itdem Rest der Trupp e ist es au chn ic ht g er ad e e in l ei ch te s S pi el . D ieAuf - und Abgange k la ppen n ic ht ,mit dem Text hapert es. und inw en ig en St un den s ol l a uc h n oc hPremiere sein.Wi r konze nt ri er en uns j et zt a ufd ie T ii re n und d ie S ar di ne n. Das i std as A und O . T ii re n und S ar di ne n.Auftr it te, Abgange. Sardinen rein,

    N R. 2 I 8 6 H I E R O I T Z O

    S ar di ne n r au s. Das i st F ar ce . Dasi st Leben . Das i st The at er . L loyd ,der mit telmafsige Regisseur mit de rmi tt el ma bi ge n T ru pp e, d em e nt -s pr ech en d ma fs ig en S ti ick u nde in em The at er im h in te rl et zt enW in ke l d er Pr ov in z h at d ie S ac hevoll erfaBt.Ube r d en e rs te n Akt , i n d em s ic hnoc h e in ig e i nt er es sa nt e Zusam -men tr ef fe n ver sc hi ed ener P aa reund e in ze ln er Ges ta lt en e rg eben ,w ar e n oc h e in e M en ge z u s ag en .A ll ei n, e s g e ni ig t d er H inwe is , d aBe s d ab ei b le ib t. M eh r s pi el t s ic hn ic ht a b, m eh r war e wah rs chei n-l ic h au ch n ich t a us zu ha lt en . D asG en era lp ro be nc ha os i st s ch onab en te ue rl ich . D och a uc h w en nsich nach dem ersten vorgef i ihrtenA kt d ie S ze ne ri e b ac k- st ag e v er -k eh rt , S ze ne n, S eque nz en , E if er -si ichte le ien und Strei tereien hinzu-g es el len, i st noch lange n ichtS ch lu B. S ch li eB li ch g ib t s n oche in en d ri tt en Akt unt er d em Mot toNac kt er W ah ns in n , u nd d ab eigeht ni cht n ur die Sache mit d enSardinen daneben.M ic ha el F ra yn s Komod ie i st a ufa ile Faile e in gelungener AbschluBf ii r d as The at er ja hr ' 85 . 1mUn te r-schied zuden gangigen Komodien,die gelegentlich auch in die seichteUnt er ha lt ung a br ut sc he n, h at d ieIn szenierung vo n Dietri ch W.Hiib sch Geis t u nd Charme. DasThe at er z ie ht s ic h s el bs t dur ch denKakao, mokier t s ich iibe r die Eite l-k ei te n der Zun ft und kar ri ki er t d asUn verrn ogen d er v on der Mu sewoh l n ic ht g ek iiBt en M imen . F ii rdie Zuschauer iste s e inge lungenesS pe kt ak el , f ur d ie S chau sp ie le rebenso.

    DER KAMPFimJT

    D ie L in ie v er lau ft q ue r d urc hden S aa l- R aumthe at er i nd er D ia -gonal en a uf e in er Langs ac hs e von30 Metern. Das schaffte eineMenge Spielf lache und errnoglichte in Klima, das f ii r die Inszenierungb es ti mme nd i st . E nd lo se W ei te ,Ver la ss enhe it , E in samkei t, W il g-nis , Naturze rstOrung und Ver frem-d un g, A ng st . D er Sc ha up la tz i ste in e G roBbau st el le i n A fr ik a, m it -t en i n d ie E in od e v er pfl an zt , g ar -n ie rt mi t z iv il is at or is ch en Mi t-bringseln eine halbfertigeB ri ic ke , e in Wohnwagen , e in E is -s ch ra nk . E s i st e in ube rt ra gbar erSchauplatz, jederzeit nachvollzieh-b ar a n e in er b el ie bi ge n B au ru in e.Nachvollz iehbar sind auch die Per -s onen , d ie im Kampf des Neger sl ind der Hunde aufeinander tre f-fen. Das Sti ick des f ranzosischenNachwuchsautors Bernard-MarieKoltes inszenier te GastregisseurJochen Foister am Jungen Theater .E s s ind meh re re Gesch ic ht en ,d ie a n d ies em A be nd e rza hl t w er -den. Der schwarz-wei Be Konf liktis t e in Thema - Kolonia lismuste r-ror , Her renmenschenre likte , Aus-b eu tu ng , U nt er dr ii ck un g, M en -s ch en ver ac ht un g. D an n i st d a d ieGeschichte des Bauste llenlei ter sH or n, s ei ne A ng st v or d em e in sa-m en A lt er n, s ei n Ver su ch , s ic hm i tLeone noc h d ie I ll us ion der Warrneund Gebor ge nhei t e in zuka uf en .E rz ah lt w ir d von C al , d em kaput -t en Mac ho -Typen , d er n ac h un t enimmer kraftig am treten ist -abhangig von Horn, eben soe insamw ie d ie se r, e be ns o g eq ua lt . E in ewei tere G es ch icht e is t die vonLeone, dem Par iser Zimmerrnad-c he n - e in em ang st li ch en Wesen ,v er kr ampf t und doc h mut ig genug ,s ic h au f d as P ha nt om bi ld A fr ik ae inzulassen. Zwischen die dre i tri tt

    DES NEGERS

    n un A lb ur y, d er d en L ei ch na hms ei nes Bruders fordert, un a uf-d ri ng li ch ab er b es ti mm t. H or nd ec kt s ei nen I ng en ie ur , d en d ens chwa rz en Arbei te r i n e i nem Wut -a nf al l umb ra ch te und ver sc hw in -d en l ie B. D er V er su ch , A lb ur y z ukodern, scheitert, wahrend Calmehr und mehr in Panik gerat.Beide konnen den S inn der F or de -r ung A lbur ys n ic ht b eg re if en . E in -z ig L eo ne i st i n d er L ag e, a uf d enS chwa rz en z uz ugehen . E in e s el t-s ame Nahe f ii r Momen te e ntwik-k el t s ic h, b ev or d er K on fl ik t u rnden Leichnahm es kaliert und esu nw ei ge rl ic h z um g ro Be n K na llkommen muB.D ie d re i S tunden b is z um g roBe nKna lT s ind l ang, d enn d ie F igur enbrauchen vieIZeit , ihre Geschich-t en z u e r za hl en , i hr e T ra urn e u ndAngste herauszulassen. Vie le Ein-zelsituationen und ruhigeMomen te s ind notwe nd ig , b is s ic hdas Bild jedes e inze lnen a llrnahlichver di ch te t. M an muB v ie l zuhorenu nd v or al le m s eh r g ed ul di g, u rns ic h a nd i es em Abe nd n ic ht e be nsover lo re n z u f uh le n w ie d ie P er so -n en des S ti ic ke s. E s w ir d v ie l g er e-d et , g et ra ur nt , g es ch ri en , g es tr it -ten un d ges offen , d azwi schenimmer wi ed er die Momente derVerzweiflung nahe dem Zusam -menbruch, der dann endlichk omm t. E in e F ii ll e v on B il de rnund Symbo le n dur chzi eh t d ie S ze -ner ie , die Satze und die Bez iehun-gen der Personen untereinander.Es is t s ch wer, all das an ei nemAbend zu v erk raft en un d d abeiauch noch den roten Faden desS ti ickes immer wieder nachzuspii-re no De r K amp f d es N eg er s u ndder Hun de i st ein gewalti gesS ti ick Arbeit f ii r die Schauspielera ls auch f iir die Zuschauer .

    tina

    I B UR NIN G L O VEDas DT- Ki nd er - u nd J ug en d-t he at er s te ll t e in e neue mob il e P ro -duk ti on vor . Bu rn ing Love vonFitzgerald Kusz ist am 19.Februarurn 18 Uhr zum ersten Mal zusehen. Nach der Premiere imJugendfreizeitheim wird dieG es ch ic ht e v on A nd i u nd A ns ch id ann i n S chul en und Jugendz en t-ren gespielt.D er Unterti tel vo n Bu rn ingL ove - d ie Li eb e ho rt ni mmerauf - beschreibt , um w as es i mStiick geht: Urn Liebe , Bez iehung,Zus ammensei n, umTr aume , d ie i nd er Re al it at k ei nen Pl at z h ab en .And i s te ht a uf E lv is und Ansch i a ufA nd i. D ie b ei de n g eh en z us am -men , w ie e s so s c hon heiBt und ver -b ri ng en i hr e Zei t dor t, wo s ger adea nges ag t i st . S ie s te he n a uf Auto-b ah nb ri ick en , t re ffe n s ic h i n d erD is co , l angwei le n s ic h bei McDo-nal d's od er h au gen b ei And i zuH au se u nd h or en E lv is . D oc h w assich zwischen den beiden abspie lt ,hat zumind est fur An schi ni chtg er ad e was m it b re nnende r L ie be

    zu tun.And i: De r E lv is h at te a n j e demF inge r s ei ne t au se nd Weibe r. B eidem standen die doch Schlange.Ansch i: Al so , i ch war da ga ra n-t ier t nicht bei gewesen!Andi: Das soli ich dirglauben?!W as g ef al lt d ir d en n d an n, w en ndir der Elvis nicht gefal l t?Ans ch i: Im Aug enbli ck du,sonst keiner.Andi: Das gibts doch nicht.... Mi t e in em Ma l i st a ll es k ap ut tz wi sc he n d en b ei de n, w ar um i steigentlich nicht so ganz rauszukrie-g en . Ansch i h at S ch luB gemac htund p lo tz li ch t ic kt And i a us . E r w il lAnsch i w ie de rh aben , und wenn' sm it Gewal t i st .

    D ER P RIN Z V ONHOM BU RG im D TI n d er V erg an ge nh ei t w ar en e svorwi egend S te rnhe im -S to ff e d ieH ei nz E ng el s f ii r d as D eu ts ch eThea te r gestal tete. Entsprechende inge sc hr ankt war en a uc h d ie E in -dri icke, die der kiinft ige DT-Inten-d an t i ib er s ei ne k ii ns tl er is ch eHandschrift hinterlieB.Mit seiner nachsten Regiearbe itd iirfte si ch d as Bi ld wandeln .Hei nz Engel s i ns ze ni er t e in en derinteressantesten Biihnen-Klassikeram DT. Das K le is t-Dr ama Pr in zF ri ed ri ch v on H omb ur g . K le is tgehort zu den weniger r iihmlichenKapite ln der Lite ra turgeschichteund Rezension. Viele seinerWerke wurden fehlinterpret ie rt ,manehe inder Vergangenheit igno-r ie rt . D ie F as zi na ti on d ie von s ei -nen jJoe tischen Bilder~ ausgeht , is terst III neuere r Zeit in zahlreichenBiihnen- und TV-Bearbe itungenzum Ausdruck gekommen.D ie mei st en F eh ld eu tungen r an -

    Iken sich urn den Prinzen vonHombu rg, z ug le ic h K le is ts Ver -r na ch tn is kur z vor s ei nem Selbs t-mord. Das Drama urn den idea lis ti -s ch en , v er tr aumt en P ri nz en d erd ie B ef eh ls hohe it s ei ne s K~r fi ir -s ten ver le tz t und den Schlachtplangefah rdet, wurde ' zunachst alsA ff ront g egen d ie Hohei t d es M il i-ta~sdekla rier t. Das genaue Gegen-ted fand hunder t Jahre sparer stat t .Das Stiick wurde zur PreuBen-Glo-ria-Tirade gestaltet.

    K le is t s el bs t n annt e d as D ramae i~ vater landisches Schauspiel,b el d em e r imGrunde seinen poli t i-s ch en und per son l ic he n S ta ndor td~kumen ti er t: S .e in Votum gegenbl inde O brigk ei ts treue und diep re uB is che S ta at sr ai son. Auf dera nder en S ei te z ei chne t K le is t m it

    d er F igur d es P ri nz en e in B il d s ei -n er Id ea le v om S el bs tb es ti m-mungs re ch t d es I nd iv iduums unddem oberst en Gebot der Men-schenwiirde.P remi er e i st am 15. F eb ru ar u rn19.45 Uhr.

    STEMPELLIEDERFiir E uc h d er P fe nn ig , f ur s ied ie Ma rk ! i st d er T it el e in er T if -Mat in ee im S ta at s t he at er Kas se lam 2. Februar urn 11 Uhr. Zuhoren gib ts St empel lieder u ndWoh lt at igke it smus ik en von HansE is le r n ac h T ex te n v on B rec ht ,Tucholsky und weiteren kri t ischenZeitgenossen. Eisler s sozia lkri t i-s ch e B al la de n und Kampf li ed erw ur de n i n d er V er ga ng en he it n urwenig gespie l t und diskutier t. Die-s es Manko a bz ubauen , h aben s ic h

    sieben Kassle r Musike r vorgenom-men, die ihr Programm in derebenfal ls sel ten zu horenden Origi-nalbesetzung vorstellen.

    Am 3.14.17./8./9./11. und12.2. gibt es imTheater imOP, HumboldtaUe, JeanGenet's Der Balkon zusehen. Beginn ist jewei ls20.30Uhr.

    W A SSE R 1MEIMERWa ss er i m E im er w ir dgens au ch im Rahmen desl aumspr og ramr ns 10 J ah re HtalstraBe aufgefuhrt. AmF eb ru ar g ib t s i m A ns ch lu B a1 5- Uh r-V or st el lu ng e in gK in de rf es t mi t v ie 1e n Ubs chunge n. Auf a il e F ai le wer ded ie sem Nac hm it ta g d ie Gew indes Umweltschutzwettbewerbesz um S ti ic k e rm it te lt . Gep la ntSpiel- und BastelaktioneSchmink en un d Verkl ei dAuBer dem wil l d ie JT- Sc hig ruppe f ur d ie F et e e in paa r S zvorberei ten.

    B USC H B ElNACHTWilhelm Busch zu sparer S tui st e in neues P ro je kt im Kas sTheatercafe. 0 war ich dochg an ze N ac ht g eb li eb en . ... .gesagt , e s geht urn Wilhelm Busei ne Ged ic ht e, Zei chnungenvo r al lem, u rn Mu sik theateS ch li eB li ch war der wac he Humris t und K arrik at uris t auchL ib re tt is t am Wer ke . D ie notwd ig e M us ik ( di e o ft n ic ht sgefunden, zumal sie mit Gerauv er b u n d en . .. ) l i eB e r d an na nder en hoc hs t e rf ol gr ei ch vnen , und davon g ib t s a uc h e inzu horen.

    GRIMMUNDD IE F OL GE NDas Marchenjahr mit seGrimm-Ovationen hat noch imkein Ende. Auch Kabaret t-C lownPer formance-Kiinst ler F .J . Bogw il l s ic h bei s ei nem d ie sj ah ri gJT-Ga st sp ie l d em Erz ah lwer krnarchenhaf ten Gebri ide r widmEs geh t z um Bei sp ie l um Rotkoc he n, um D ro ss el st urz u nd Rb el ba rt , D or nt al er u nd S ch

    weiBchen, nur daB ihre Geschit en n ich t m eh r d ie a lt en , B ogmit parodist ischem Erf indergee inige Neuerungen vorgenommhat. Bogners Marchenvorstelluns te ht u nt er d em M ot to Br iiG ri mm u nd d ie F ol gen u nd i s4 . Fe br uar um 2 0.1 5 U hr im Jgen Thea te r zu sehen.F .J . wird i ibr igens indiesemJas ei ne n Got ti ng en - V is it u rn eT ag verl angern. Geplant i stWorkshop des Clowns-Kabaret ts te n i n Z us amme na rb ei t mi tVHS . Der S chaupl at z i st G rimgemal i im A lt en R atha us , wozeit e ine Ausstel lung zum lite rs ch en Gebar en der Geb ri id er sf inde t. Der Termin: 5 . F e br ua r,Uhr.

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    lOJahreJTG u id o H a l l e r im Gesprachm i t T i n a F i b ig e r

    Das Junge Theater feiert sein Jubiliium imOtfried-MiiUer Haus -10 Jahre HospitaIstra6e. Die Premiere von Brechts K1einbiirger-hochzeit steht auf dem Programm, au6erdem eine neue Nachtre-vue mit Texten und Musik unter dem Motto Das kann doch nichtalles gewesen sein - Was Sie schon inuner iiber Ehe und Familie wissenwollten. Ebenfalls geplant ist eine Jubiliiumsfete und ein Kindedest.Trotzdem steht bei aller Jubiliiumseuphorie auch die unsichereZukunft des Jungen Theaters zur Diskussion. Es geht um den alljiihr-lich knapper werdenden Finanzrahmen des JT, die immer schwierigerwerdenden Produktionsbedingungen. Es geht auch um den Status desTheaters in der Gottinger Kulturszene und die kulturpolitischeAkzeptanz. Die Diskussion am 2. Februar iiber Theater Kultur undPolitik in dieser Stadt mit Politikem, Kulturschaffenden und Interes-sierten kennte eine Art Standortbestimmung fiir das JT zur Folgehaben. ImGespriich skizziert JT-Leiter Guido Huller Anspriiche undBedingungen fiir die kiiuftige Entwicklung des Jungen Theaters.Was soli eine Diskussionsrundeiiber die bekannten Fakten hinauseinbringen?Ein Thema ist die Haltung der Kul-turpolitiker zu diesem Thema, eineArt Bestandsaufnahme der Erwar-tungen. Was will man mit diesemTheater, das man finanziell einengtund permanent auf Sparflammehiilt?

    Die stadtische Verknappungspoli-tik ist doch nun aber nichts Neues?Sicher, aber das IT hat inzwischeneine solche Professionalitaterreicht, die scheinbat ignoriertwird. Wir brauchen eine bessereBasis fur eine alternative Asthetik,fur lebendiges alternatives Theater.Auch unsere Eigenanspriiche sindanders geworden. Das ist keinSpielplan, wie vielleicht in denAnfiingen, bei dem zwei drei Leutealles machen und das moglichst ein-[ach, damit's nix kostet. Nimmtman zum Beispiel den iisthetischenBereich. Viele Regisseure schwar-men von unserem Super-Haus,doch wenn's dann um Ideen zurInszenierung und zur Ausstattung

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    geht, mussen wir sagen: geht nicht,.kostet zuviel, konnen wir uns beldem Etat nicht leisten. Auf dereinen Seite erwartet man von unsPhantasie, kreatives und innovati-ves Arbeiten. Nur konnen wir dieErwartungen unter solchen Bedin-gungen nicht einlosen.Und die Konsequenz?Das beginnt bei der Auswahl derStucke. Dann dreht sich die Diskus-sian um die Frage, ob wir Stuckewie Der Kampf des Negers uber-haupt nocn ansetzen konnen, obwir uns das Experiment inhaltlichund finanziell iiberhaupt leistenkonnen. Die ersten Vorstellungenwaren wenig besucht, die letztenAbende dann plotzlich. ausver-kauft. Das Stuck ist nun mal keinRenner wie die Fo-Inszenierung,aber ein Projekt, das wir mit akzep-tieren. Und wir haben schlief3lichden Freiraum und konnen unsereKonzeption selbst bestimmen.Ich habe den Eindruck, da8 vonkultur-politischer Seite her keingr08es Interesse besteht, was ihrnun in den Spielplan aufnehmt undwas nicht, und da8 soauch der Stel-

    lenwert des zweiten GottingerTheaters ignoriert wird.Man hat sich in den vergangenenJahren inhaltlich relativ wenig umdieses Theater gekiimmert und laf3tuns halt in Frieden, auch im negati-ven Sinn: Man laf3tuns halt, aberman tut auch nichts dafur. Von denkulturpolitisch Verantwortlichenwird esnicht sehr stark frequentiert,aber darauf sind wir auch nichtunbedingt aus.Wie sieht denn eure gegenwartigeKonzeption aus?Wir suchen nach dem deutschenGegenwartsautor, den wir spielenkonnen, nach Stoff en mit politi-scher und gesellschaftlicher Bri-sanz, Wenn Stucke gut sind undmutig, machen wir sie. Nun ist esschwer, in der Bundesrepublik guteGegenwartsdramatik zu finden.Noch schwerer ist es, mit demSchauspiel etwas zu bewegen odernoch zu schockieren. Extremitieszum Beispiel war so eine Art Sta-chel, hat Diskussionen provozierf.So etwas lief3esich fortsetzen, zumBeispiel mit einem Stuck iiber aids,uber das wir gesprochen haben.Doch schon wdren. wir auf einerLinie, wo nur Gebrauchsgegen-Jvartsdramatik stattfindet und dieliterarischen Experimente wie DerNeger oder die geplante Boal-Ins-zenierung zu kurz kame.Hinzu kommt doch auch die Reak-tion des Publikums, das wie mirscheint, in letzter Zeit doch eherauf UnterhaItung aus ist. Wiesehatzt Du denn die Anspriicheund Erwartungen ein?Nun, die Erwartungen des Publi .-kums haben sich veriindert wieauchdie der Macher. Vor 10lahren gabseine ganz andere polit isierte Stu-dentenschaft, aber das ist typischfu r dieses Theater. Wir haben kei-nen festen Stamm an Zuschauern,einfach durch die studentischeFluktuation. Die Leute bleibenzwei drei lahre und ziehen dannwieder weg. Wir sind im Grundeimmer gefordert und konnen nichtauf etwas Vorgegebenes aufbauen.Ich bin jetzt knapp drei lahre hierund konnte einen prima Erfolgs-spielplan entwerfen. Das ware dereinfachste Weg, aber die Spannungware raus. Dann lieber ein Risikoeingehen und auch Fehler machenund Flops riskieren.Konnt ihr euch die auf Dauer lei-sten?1m Grunde haben wir doch einetoile Bilanz, allein die Tatsache,daf3sich so eine Spielsti it te in denzehn lahren etabliert hat. UnserZuschauerschniu betragt etwa40.000 pro Iahr und das in einerStadt der Grofsenordnung Gouin-gens ist nicht selbstverstiindlich,Dabei haben wir immer unserenAnspruch gehalten und uns nie aufGefalligkeitstheater eingelassen.Trotzdem seid ihr doch mit der der-zeitigen Situation auch am Kamp-fen?Nun, bei sechs Stiicken pro Spiel-zeit plus Zusatzproduktionen. laf3tsich naturlich nicht viel auf spon-tane Experimente setzen, das ist

    ohne Nachtragshaushalt nicht mog-lich. Schlief3lichmussen wirja alleseinspielen. Und da geht's dann umden anfiinglicn genannten kulturpo-litischen Auftrag. Wenn wir denAuf trag hatten, Theaterpolitik zumachen, konnten wir sicher aucheine Reihe unbekannter Stuckeohne Blick auf die Kasse machen.Und da zeigt sich die Schere. Wirsollen a) innovativ sein, haben b)am lahresende die Miesen und sol-len c) damit auch noch ohne Selbst-zensur klarkommen.Glaubst Du, da8 sich daran innachster Zeit etwas iindert?Wenn die politische Konstellationsobleibt, kaum. Undwennmanunsden finanziellen Hahn weiterhinabdreht, sehe ich da auch keineChance. Anders ware es, konntenwir unsere Finanzen konsolidieren.Wurde man auf uns zukommen undfragen, was braucht ihr. Das IT istin den vergangenen 10 lahrengewachsen und die Kartoffelsacka-era der Anfiinge, wo man aus nichtmal eben etwas machen konnte, istzu Ende. Wir haben als[este Institu-tion nicht mal eine gescheite Probe-biihne. Wenn drauf3en Hunde bel-len, storen sie die Vorstellung drin-nen. Es herrscht eineso lasche Ver-antwortlichkeit fur diesen kulturel-len Raum, der letztlicb wie ein Kel-lerraum behandelt wird. Manmuf3te sich auch mal um den Saalkiimmern, um gescheite Arbeitsbe-dingungen. Die Buhne befindet sichimmer noch im 76erRohverputzzu-stand. Von der ursprunglicligeplanten zweiten Baustufe ist heutenicht mal mehr die Rede.Da gibt'snun mitten in der Stadt einen offe-nen kulturellen Verdiistaltungs-raum und nichts geschieht fur sei-nen Erhalt. Sicher, del' Saalbodenwurde renoviert und die .Treppe, diewiederum war das uberflussigsteuberhaupt. '.

    Wie soli nun, um beim ThemaZukunftsperspektiven zu bleiben,das Zusammeuleben mit demKAZ unter einem Dach weiterge-hen? Der Verein stellt AO$priichean den Saal, erwartet mehr Keope-rationsbereitschaft und kritisiertdas momentane Verhaltni!i..,sehrdeutlich. .An der riiumlichen Konstellationmuf3sich etwas andern. Ein Anbau,wie er derzeit im Gespracb ist,wurde das Problem auch nichi ausder Welt schaffen, wir storen unseinfach raumlich. Die inhaltlichenVerhaltnisse sind im Grunde nichtgut und nicht bose, nur merkwiir-dig. Mit einzelnen Gruppen gibt'sauch keine Probleme und keineBeruhrungsiingste. Wir stellen jaauch den Theatersaal zu festen Ter-minen zur Verfugung, aber fur denweiteren Bedarf fur KAZ-Veran-staltungen ware die StadtAnsprechpartner, die dann auch dieAusfallburgschaften tragen muf3te.Auf der anderen Seite ist das aufDauer kein Zustand, wenn wir inder Zeit proben miissen, in der sichzum Beispiel die KAZ-Trommler-gruppe trifft. Klar ist auch, daf3wiraus diesem Haus nicht raus konnen.

  • 8/4/2019 8602 Das Beste der Ausg. Febr. 86

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    ~~~h~QDATEefallen, daB es immer schwieri-' ! i J~~s ;:~~dehe;t~~s:~i~e~~~:S;~t /m r I e ' rundJ1St? Kurzhch bekomme ich ' ~IIiIli..,~/.:j ; : ~ ~ ~ ~ , ~ ~ ~ ~ ~ ~ eesuch von einer Freundin, die Zlastert schon an der TOrOberdenHaucherstabchen-Duft in meinerWohnung: Ichhatte doch sonst 'n ~ aguten Geschmack und jetzt so ~~ Iein Hippiezeug .... Aberwas soli r . JPn 1 1 ' l ' 8 7~ J~~~ : v ? i t~~i e f U t c ; ~ / l . t I . ' Yb k t t u i n ' 7 1langst wieder out, und die Hippies - - - ' : : : ! l l .sind in, oder wie? Das einzige,worauf ich mich immer noch ver-lassen kann, ist, daB ich immerein biBchenzu spat komme. Des-wegen habe ich mich nunmehrauf meine mathematischenKenntnisse besonnen und ver-sucht, das ganze mal etwas wis-senschaftlicher anzugehen.Inspiriert hat mich dazu derTObingerPoet und LiedermacherChristof Stahlin, Er schreibt Oberunser Verhaltnis zu Vergangen-heit und Antiquitaten, daB es ihnan die Not von SchiffbrOchigenerinnert: urn nicht zu verdursten,trinken sie ihren eigenen Urin;weil sie aber immer durstiger wer-den, bleibt ihnen immer wenigerZeit, das eiqene GetrankabkOhlenzu lassen. Zum SchluBtrinken sie es brOhwarm, so daBman es gleich im Kerper umleitenkonnte, Ahnlich geht es uns auchmit unseren kulturellen Vorlieben:Anfang des 19. Jahrhundertsschwarmte man fOr das Mittelal-ter (500 Jahre Abstand), Endedes 19. Jahrhunderts fOr dasRokoko (100 Jahre Abstand), urnden ersten Weltkrieg herum fOrdie GrOnderjahre (50 Jahre

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    Abstand), in den fOnfzigerJahrenfOr die Goldenen Zwanziger (30Jahre Abstand), in den sechzi-gern von den fOnfzigern, in densiebzigern von '68, und die acht-ziger Jahre sprechen hauptsach-lich von sich selbst: irgendwann,so Stahlin in Mag denn keinerdie Bepubhk?. hoien wir unsselbst ein.ZurOckzur Mode. Anfang desletzten Jahres stehe ich also inder Disco, und es erscheinenneben mir zwei Ladies, die michvon der Frisur bis zum spitzenSchuh an meine verstorbeneTante erinnern (die allerdings1950 noch ganz gut drauf war).Was schlieBe ich messerscharf:Vor einem Jahr waren noch diefOnfzigerangesagt! Nun lese ichim Stern unter Trend, daBichschon wieder nicht richtig auf-gepaBt habe: Mittlerweile wOrdendie ganz avantgardistischenBands wieder mit den buntenJacken der sechziqer rumlaufenund ebensolche Musik spielen.

    NatOrlich, so fallt es mir wieSchuppen aus den Haaren, warnicht auch kOrzlichim Pinkpsy-chedelic night? Gerade will ichmich arqem, daBichdiegeblOmteKrawatte aus meiner Tanzstun-denzeit weggeworfen habe (wieoft habe ich meiner Mutter gepre-digt: Alles aufbewahren!), da leseich weiter: Schon wirft der nach-ste Trend seine Schatten voraus;die ersten Modehauser machenModenschauen mit den Klamot-ten der siebziger. Wenn es imStern steht, muB es ja stim-men. Jetzt wird es aber h5chsteZeit fOr eine mathematischexakte Hochrechnung, wann sichder Trend Oberschlagenwird.Also, nehmen wir wie orwahntan, Anfang 1985waren die fOnfzi-ger Jahre dran, Anfang 1986sinddie sechziger Jahre dran, undMitte 1986 werden die siebzigerJahre dran sein. Nehmenwirwei-ter an, der Trend verlaufe entiangeiner exponentiellerj Funktion(natOrlich konnte man bei dreiPunkten auch eine simple Para-bel zweiter Ordnung nehmen;

    aber jeder, der einmal in seinemLeben Grenzen des Wach-sturns gelesen hat, wird mir reinstilistisch zugeben, daB expon-entielle Kurven irgendwie mehrChic haben). Heraus kommt: f(x)=2.36068 * exp(0.962424 * x) -40.18034Wer's nachrechnen will: x = 0ist der 1.1.84, x =1 ist der 1.1.85etc., f(x) ergibt dann (relativ zum1.1.84) das Jahr, das gerade inist.Damit kann man jetzt endlichausrechnen, wann wir uns einho-len: Nach meiner Hochrechnungwird das imLaufe des 8.1.87sein.Merken Sie sich das Datum gut:An diesem Tag kann jeder sorumlaufen, wie er will, und keinerkann ihm reinreden, denn an die-sem Tag ist nur die Gegenwartangesagt. Upto date im Hier undJetzt! Danach ist dann dieZukunft dran, und das bedeutetnicht nur das Ende des brOhwar-men Uringeschmacks, sondern -das ist doch endlich mal eineposit ive Wende - auch das Endevon "no future! (Da werden sichdie Punks aber arqern.)Obrigens: Falls es sich nach-stes Jahr herausstellen soll te,daB meine Prognose nicht ein-trif ft , werde ich es halten wie dieZeugen Jehovas mit dem Welt-untergangs-Termin: Wahrschein-lich ist irgendwo ein Fehler indenBasisdaten (wenn die siebzigerJahre ein paar Monate zu spatkommen, verschiebt sich natOr-lich alles, ist doch klar).Aber meinSystem stimmt!Ingolf E. Dammasch(Dipl. Math.)

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