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1 Texte: Tony Deimling/ Ines Bellin Die Entwicklung der Porträtmalerei an ausgewählten Werken der Gemäldegalerie, Kulturforum Potsdamer Platz Der Besuch der ständigen Ausstellung ist für Schulklassen kostenlos, Führungen sind bis zur 10. Klasse ebenfalls kostenfrei, ab Klasse 11 kostet die einstündige Führung 35 €. Sollten Sie an einer Führung interessiert sein, rufen Sie uns bitte an. Anmeldung Führungsvermittlung/ Besucher-Dienste: Tel. 266 3666/ Fax 266 3670 Bezüge zu verschiedenen Fächern DEUTSCH - Bilder als Sprechanlass: Erweiterung des sprachlichen Ausdrucks durch Beschreiben der Wahrnehmung, Benennen von Formen und Farben oder Schildern inhaltlicher Aussagen - Anregung der Fantasie durch kreatives Schreiben, Rätselaufgaben und Hineinversetzen in eine bestimmte Person BILDENDE KUNST - Anleitung zu eigenem produktiven Gestalten: Schattenrisse von sich selbst herstellen - Aus eigenen Fotografien Collagen herstellen oder diese verfremden (Andy Warhol) - Proportionsstudien aufarbeiten RELIGION - Malerei diente besonders im Mittelalter der religiösen Verehrung. - Die Rolle der Stifter heute und damals SACHKUNDE - Familienkonzeption damals und heute - Kinderdarstellungen im Wandel der Zeit - Lebens- und Arbeitswelt verschiedener Menschen kennen lernen Weiterführende Literatur: Norbert Schneider: Porträtmalerei. Hauptwerke europäischer Bildniskunst 1420-1670, Köln 2002.
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Die Entwicklung der Porträtmalerei - ww2.smb.museumww2.smb.museum/smb/media/education/22929/Portraetfuehrung2.pdf · 1 Texte: Tony Deimling/ Ines Bellin Die Entwicklung der Porträtmalerei

Feb 07, 2018

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    Texte: Tony Deimling/ Ines Bellin

    Die Entwicklung der Portrtmalerei an ausgewhlten Werken der Gemldegalerie, Kulturforum Potsdamer Platz

    Der Besuch der stndigen Ausstellung ist fr Schulklassen kostenlos,

    Fhrungen sind bis zur 10. Klasse ebenfalls kostenfrei,

    ab Klasse 11 kostet die einstndige Fhrung 35 .

    Sollten Sie an einer Fhrung interessiert sein, rufen Sie uns bitte an.

    Anmeldung

    Fhrungsvermittlung/ Besucher-Dienste:

    Tel. 266 3666/ Fax 266 3670

    Bezge zu verschiedenen Fchern

    DEUTSCH

    - Bilder als Sprechanlass: Erweiterung des sprachlichen Ausdrucks durch Beschreiben der Wahrnehmung, Benennen von Formen und Farben oder Schildern inhaltlicher Aussagen

    - Anregung der Fantasie durch kreatives Schreiben, Rtselaufgaben und Hineinversetzen in eine bestimmte Person

    BILDENDE KUNST

    - Anleitung zu eigenem produktiven Gestalten: Schattenrisse von sich selbst herstellen

    - Aus eigenen Fotografien Collagen herstellen oder diese verfremden (Andy Warhol)

    - Proportionsstudien aufarbeiten

    RELIGION

    - Malerei diente besonders im Mittelalter der religisen Verehrung. - Die Rolle der Stifter heute und damals

    SACHKUNDE

    - Familienkonzeption damals und heute - Kinderdarstellungen im Wandel der Zeit - Lebens- und Arbeitswelt verschiedener Menschen kennen lernen Weiterfhrende Literatur:

    Norbert Schneider: Portrtmalerei. Hauptwerke europischer Bildniskunst 1420-1670, Kln 2002.

  • 2

    Portrt

    ? Schon gewusst ? Ein Portrt ist ein Bild von einem bestimmten Menschen. Es werden aber auch mehrere Personen dargestellt. Je nachdem wie viele Menschen auf einem Bild wiedergegeben sind, unterscheidet man zwischen Einzel-, Doppel- und Gruppenportrt. Auf einem Portrt kann der Ausschnitt der dargestellten Person verschieden sein. So wird zum Beispiel nur Kopf und Schulter (Brustbildnis), der Oberkrper (Halbfigurenbild), bis zu den Knien (Kniestck) oder die ganze Figur gezeigt. Dabei muss der Portrtierte nicht immer nur sitzen, er kann auch stehen oder sogar reiten. Der Knstler kann auch die Darstellung von Gesichtern verndern. Der Kopf erscheint zum Beispiel von vorn (Vorderansicht), von der Seite (Profil) oder gedreht (Dreiviertelansicht). Der Dargestellte kann uns anschauen, durch uns hindurch oder an uns vorbeisehen. Meist versucht der Knstler zu zeigen, wie sich der Mensch im Augenblick des Malens gefhlt hat oder womit er gerade beschftigt war. Bestimmt hast du auch zu Hause Fotografien von Familienangehrigen oder deinen Freunden. Fotografien gibt es aber erst seit etwa 150 Jahren. Frher lieen sich die Menschen auf Gemlden abbilden. Weshalb mchte man sich auf einem Bild festhalten?

    Was wre fr dich an einem Bildnis wichtig?

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    Wen knnte ein Knstler auf einem Portrt wiedergeben?

    Am Anfang war das Stifterbild

    Im Mittelalter* hatte die Kunst die Aufgabe, den Inhalt der Bibel anschaulich zu machen, weil vor ber 700 Jahren viele Menschen nicht lesen konnten. Ppste, Kardinle und Bischfe bestellten bei den Malern Bilder, auf denen die Gottesmutter Maria mit ihrem Kind Jesus, die drei heiligen Knige oder andere Figuren aus der Bibel abgebildet waren. Doch bald wollten die Auftraggeber mit den himmlischen Gestalten zusammen dargestellt werden.

    Auf diesem Bild siehst du einen Mann, der im Verhltnis zur Maria sehr klein und am unteren Bildrand gezeigt ist. Es hat auch einen Grund, warum er so klein abgebildet ist. Er war nicht etwa ein Zwerg oder die Farbe hat nicht gereicht. Im Mittelalter hat man die himmlischen Figuren grer als die Menschen gemalt. Der kleine Mann war der Stifter dieses Bildes (stiften = schenken). Er hat das Bild, auf dem er dargestellt ist, einer Kirche geschenkt. Mit dieser Stiftung wollte er zeigen, wie sehr er an Gott glaubte. Jeder, der in die Kirche geht, sieht ihn auf dem Bild und betet fr ihn mit.

    Bhmisch: Thronende Maria mit dem Kind (Glatzer Madonna). Um 1340/50 (Saal I). *Das Sternchen erklrt dir den Begriff am Ende der Aufgabenbltter.

  • 4

    brigens: Den Namen des Knstlers, der dieses Bild gemalt hat, kennt man nicht. Man wei nur, dass er aus Bhmen (heute Tschechien) kam. Zu dieser Zeit haben die Knstler noch nicht ihren Namen unter ihr Werk geschrieben. Noch ist es kein richtiges Portrt. Dem unbekannten Maler ging es nicht darum, ihn mglichst hnlich darzustellen. Entscheidend ist nur, was er fr einen Beruf ausgebt hat.

    Wenn du dir das Bild genau anschaust, erkennst du, was der Stifter vor sich auf die Stufen gelegt hat.

    Nenne drei Gegenstnde

    1. .

    2. ......

    3.

    Diese Gegenstnde verraten uns, dass er ein Bischof gewesen sein muss. Denn an der Kleidung der Bischfe hat sich bis heute kaum etwas verndert.

    Der Mann hie Ernst von Pardubitz und hat sich in Prag um seine Glubigen gekmmert. Der Bischof muss relativ reich gewesen sein. Denn allein die Farben mit denen das Bild gemalt war, vor allem das Blattgold, kosteten viel Geld.

    brigens: "Stiften gehen" heit weglaufen.

    Erkennst du, was die Engel in den Hnden halten?

  • 5

    Maria wird auch die berhmteste Mutter der Welt genannt. Weit du warum? .

    Wer besuchte Maria, um ihr mitzuteilen, dass sie ein Kind von Gott bekommen wird?

    ..

    Fr Profis: Das Gemlde ist nicht ganz vollstndig. Wo fehlt ein Stck? Tipp: Schau dir mal genauer die Stufen zum Thron an!

    Ich bin genauso wichtig!

    Jean Fouquet: tienne Chevalier und der heilige Stephanus. 1450 (Saal V).

    Zur Person: tienne war ein hoher Beamter unter den franzsischen Knigen Karl VII. und Ludwig XI. tienne ist Franzsisch und heit bersetzt Stephan. Er wurde nach dem heiligen Stephanus benannt. Den Heiligen erkennt man an dem Stein, der hier auf dem Buch liegt. Mit diesem wurde er vor 1700 Jahren wegen seines Glaubens an Christus erschlagen. Erkennst Du die Wunde am Kopf?

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    Den Stifter eines Bildes erkennt man meist daran, dass er kniet und die Hnde zum Gebet zusammengelegt hat. So wurden auch der Bischof Ernst von Pardubitz und hier tienne Chevalier dargestellt. Aber was fr ein Unterschied zwischen den beiden! Fllt dir auf, dass er dem Heiligen nher ist, als der Bischof der Gottesmutter? tienne Chevalier wagte es also, sich ebenso gro abbilden zu lassen wie die himmlischen Figuren. Das hatte es 100 Jahren zuvor noch nicht gegeben! Nun aber rckt der einzelne Mensch immer strker in den Mittelpunkt. Es wird jetzt interessant, die Gesichtszge von Stiftern im Bild festzuhalten. Die Kunst dient nicht mehr nur der Verehrung von Gott. Aus diesen Stifterportrts entwickelt sich spter das neue Thema der Malerei: Das Portrt Das Gesicht von tienne Chevalier ist leicht gedreht, so dass es in Dreiviertelansicht erscheint. Wie viel sieht man von ihm? . Wohin hat der Maler den Namen des Stifters geschrieben?

    Zu dem Gemlde gehrt noch ein anderes, das sich heute in einem Museum in Antwerpen befindet. Auf diesem ist die Madonna mit dem Kind dargestellt. Der Stifter wrde sich ihr also zuwenden. Zeichne ein Bild von Maria und ihrem Sohn. Sie sitzt auf einem Thron, der von Engeln getragen wird.

    ?

  • 7

    Jean Fouquet, Maria mit Kind, Seraphim und Cherubim (Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten)

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    Seht mich an!

    Albrecht Drer: Selbstbildnis. 1500 Albrecht Drer: Hieronymus (Mnchen, Alte Pinakothek). Holzschuher. 1526 (Raum 2).

    Rechts siehst du Hieronymus Holzschuher. Links den Maler Albrecht Drer. Er hat seinen Freund Holzschuher gemalt. Damit wir nicht vergessen, wer auf dem Gemlde abgebildet ist, hat Drer an die Wand ber Holzschuher geschrieben: HIERONYMUS HOLZSCHUHER - IM JAHRE 1526 - IN SEINEM 57. LEBENSJAHR. Htte Drer das Bild 1450 gemalt, also fast 80 Jahre frher, dann wre Hieronymus vielleicht zusammen mit seinem Namensheiligen dem heiligen Hieronymus dargestellt worden. So wie tienne Chevalier mit dem heiligen Stephanus. Adlige und reiche Brger wie Holzschuher lieen sich stolz verewigen. Und das wollten sie im 16. Jahrhundert bereits ohne die heiligen Figuren. Das Wichtigste an diesem Portrt ist wohl der Blick von Holzschuher. Wie schaut er uns an? Mit vielen kleinen Pinselstrichen hat Drer Bart, Haare und Pelzkragen gemalt. Nichts hat er ausgelassen. Sogar das Fenster durch das Licht in den Raum dringt, hat er gemalt. Um es zu entdecken, musst du ihm tief in die Augen schauen.

  • 9

    Wenn du das Gemlde in noch einmal sehen willst, besuch uns doch einfach mit deinen Eltern oder der Schule in der Gemldegalerie. Woran erkennst du, dass Holzschuher ein alter Mann ist?

    Holzschuher gehrte wie Drer dem

    Rat in Nrnberg an und war sogar zweimal Oberbrgermeister dieser Stadt. Er war also eine wichtige Persnlichkeit. Auf einem Wappen konnte der Name eines

    Menschen bildlich dargestellt werden. Erkennst du links den Holzschuh auf Stelzen?

    Das Portrt hing aber nicht fr jeden sichtbar an der Wand. Sonst htte der Maler Holzschuher mit einem Hut dargestellt. Um es vor fremden Blicken zu schtzen oder es auch sicher zu transportieren, konnte man vor das Bild einen Deckel schieben. Auf diesem Deckel war das Wappen der Familie Holzschuher zu sehen. Hast du einen Namen, den man malen kann, oder ein besonderes Hobby? Du kannst auch den Beruf deiner Eltern aufzeichnen. Versuch dein eigenes Wappen zu malen!

  • 10

    Bis hierher hast du schon eine Menge

    ber das Portrt am Ende des Mittelalters gelernt. Handelt es sich bei der Abbildung links auch um ein Portrt? ...

    Westflisch: Das Heilige Antlitz Christi. Um 1400.

    Warum/Warum nicht?

    Wenn du das Bild von dem unbekannten westflischen Maler mit dem Selbstbildnis von Drer vergleichst, fllt dir vielleicht auf, dass sich Drer wie Christus dargestellt hat. Diese hnlichkeit war beabsichtigt. Er hat sich als vornehmer Herr mit Pelzmantel gemalt. Noch vor einiger Zeit verstanden sich die Knstler als Handwerker, wie die Schneider und Tischler. Drer aber sah sich als Schpfer von knstlerischen Werken, wie die Dichter und Philosophen. Rechts von Drers Kopf steht geschrieben: "So malte ich, Albrecht Drer aus Nrnberg, mich selbst mit unvergng- lichen Farben im Alter von 28 Jahren."

    Kein anderer Maler vor ihm schuf so viele Selbstbildnisse wie Drer. Das neue Selbstbewusstsein hatte er von den Malern aus Italien mitgebracht. In diesem Land entwickelten sich schon um 1350 eine neue Kunst und ein neues Wissen, die Renaissance*.

  • 11

    Damit jeder wei, von wem die Gemlde sind, hat Drer seine Bilder unterschrieben. Er hat nur den jeweiligen Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens verwendet. So sieht sein Autogramm aus! Wie wrdest du dein

    Bild unterschreiben?

    Wer sieht seinem Bildnis wohl hnlicher?

    Robert Campin: Bildnis des Giorgione : Bildnis eines jungen Robert de Masmines. Vor 1430 (Saal IV). Mannes. Um 1500 (Raum 32). Links hat der Maler Robert Campin den Ritter Robert de Masmines wiedergegeben. Fast wie unter dem Mikroskop erkennt man Bartstoppeln, Runzeln, Falten und das Doppelkinn. Eine wahre Schnheit?

  • 12

    Der Ritter erscheint bei Campin wirklichkeitsgetreu. Seine Gesichtszge sind scharf und klar gezeichnet und die Farben eher hell und khl. Diese Malweise mit vielen feinen Pinselstrichen hat die Menschen damals beeindruckt. Campin wurde fr die Maler aus den sdlichen Niederlanden, Deutschland und Frankreich zum Vorbild. Giorgione war bei seinem Portrt offenbar etwas ganz anderes wichtig. Worauf legte er bei der Wiedergabe eines jungen Mannes Wert? ...

    Knstler arbeiten in der Regel fr einen Auftraggeber. Meistens hat dieser sehr genaue Vorstellungen davon, wie sein Bild aussehen soll. Stell dir vor, dass die Auftraggeber von Campin und Giorgione sich darber austauschen, wie ihr Portrt entstanden ist! Schreibe das Gesprch auf! Der junge Mann: Robert de Masmines: Der junge Mann:

  • 13

    Mchten Sie meine Frau werden?

    Ein Zettel ber dem Kopf des Kaufmanns verrt uns, wer der Mann ist. Er hie Georg Gisze und war 34 Jahre alt, als er sich von Hans Holbein malen lie. Holbein war zu dieser Zeit ein sehr bekannter und beliebter Portrtmaler. Viele reiche Brger und sogar die

    englische Knigsfamilie sa ihm Modell. Von seinem Vater hatte er den Beruf und seinen Namen geerbt. Damit man

    die Bilder von Vater und Sohn unter- scheiden kann, wird der Vater Hans Holbein d.. (der ltere) und der Sohn Hans Holbein d.J. (der Jngere) genannt.

    Hans Holbein d.J.: Der Kaufmann Georg Gisze. 1532 (Raum 4). Georg war ein Kaufmann und kam aus Danzig. Spter ging er nach London, wo er mit dem Handel von englischen Tuchen reich wurde. Mit Handel meint man das Kaufen und Verkaufen von Waren. Aber auch um Transport und Lagerung musste sich Georg kmmern. Dass Georg als Kaufmann erfolgreich war, soll man auf dem Bild erkennen knnen. Wir sehen ihn in teure Seide gekleidet hinter seinem Arbeitstisch sitzen. Das Arbeitszimmer ist recht klein. Stell dir nur mal vor, er wrde jetzt aufstehen! Zahlreiche Gegenstnde umgeben Georg, mit denen er tglich zu tun hat. Eine Schachtel, Briefe, Bcher und eine Bindfadenkugel hngen an der Wand. Auf dem Tisch liegt ein kostbarer Teppich. Darauf befinden sich Messer, Wappenring und Lack zum Versiegeln von Briefen. Was befindet sich noch auf dem Tisch?

  • 14

    Wofr braucht Georg eine Waage, einen Siegelring und die Schlssel?

    Durch die Blume gesprochen

    In diesem Bild sind Georgs Lieblingsblumen zu finden. Nelken und Rosmarin bedeuteten damals das, was man heute jemandem mit roten Rosen sagen mchte: Er wird seine Verlobte immer lieben und und ihr treu sein. Entdeckst du die vergoldete Dosenuhr rechts neben der Vase? Sie hat nur einen Zeiger. Die Uhr und die

    welkenden Blumen erinnern uns daran, dass die Zeit schnell vergeht.

    Das Bild wurde Christine, einer Tochter des Danziger Brgers Tiedemann Krger, zugesandt. Die Botschaft des Bildes hat Georgs Verlobte verstanden. Schon 3 Jahre spter hat sie ihm das Jawort gegeben. Bei einem Portrt kommt es nicht nur darauf an, dass die Person mglichst hnlich wiedergegeben wird. Durch Bildnisse erfahren wir, wie der dargestellte Mensch gelebt und sich gefhlt hat, und was er uns mit dem Bild sagen mchte.

  • 15

    Wo ist Was?

    Versuche fnf Gegenstnde zu benennen. 1. 2.

    3.

    4.

    5.

  • 16

    Da bist du ja!

    Kinder sind gar nicht so selten auf Bildern zu sehen. Du kennst bestimmt die kleinen Kinderengel, die oft fast nackt sind und kleine Flgel besitzen. Das berhmteste Kind der Welt ist wohl das Jesuskind. Neben den himmlischen Kindern gibt es natrlich die weltlichen Kinder. Diese tauchen schon im Mittelalter auf Stifterbildnissen auf und spter auf Familienportrts.

    Meister von 1456 (Kln): Maria auf der Mondsichel im Hortus conclusus (Raum 1).

    Mutter und Kind?

    Frans Hals: Catharina Hooft mit ihrer Amme. Um 1619/20 (Raum 13).

    Der Maler hat Catharina Hooft zusammen mit ihrer Amme, also ihrem Kindermdchen, gemalt. Wir haben die beiden gerade beim Spielen berrascht. Auf dem Bild ist Catharina erst zwei Jahre alt.

  • 17

    Kaum zu glauben, denn Frans Hals hat sie als "kleine Erwachsene" dargestellt. Das einzige Kindliche im Bild ist das Schellenspiel, das sie in der linken Hand hlt.

    Kannst du dir vorstellen, wozu ein Schellenspiel benutzt wird? Wie viel hat uns der Maler von beiden gezeigt? Wie schauen sie uns an? Die Familie Hooft wollte bestimmt, dass der Maler zeigt, wie reich sie waren. Woran erkennt man das? Denke dabei auch an die Kleidung der Amme. Wenn du Catharina als frisch verheiratete junge Frau sehen willst, besuch uns wieder einmal in der Gemldegalerie.

  • 18

    Platz da! Jetzt komm ich!

    Mit diesem dicken Mann mchte man sich lieber nicht streiten! Er hat sich als ganze Figur darstellen lassen. Wir mssen sogar zu ihm aufblicken. Die Sule rechts ist ein Zeichen der Macht und wurde fr viele Herrscherportrts verwendet. Mit der linken Hand greift der Mann seinen Degen und mit der rechten seinen Mantel. Wie schaut er uns an?

    Charles Mellin: Bildnis eines Mannes. Um 1630 (Saal XIV). Warum hat er sich wohl von Charles Mellin malen lassen? .

  • 19

    Man wei nicht genau, wer dieser Mann war. Vielleicht war er ein italienischer Feldhauptmann. Hast du eine Idee? Schreibe eine Biografie ber ihn! Denke an seine Eltern, Ausbildung, Familie und seinen Beruf.

  • 20

    Hereinspaziert!

    Das geht ja zu wie in einem Zirkus! Ein Hund tanzt mit einem Zwerg. Wenn du aber genau hinschaust, dann siehst du, dass wir gerade dem Maler ber die Schulter blicken. Die Werkstatt eines Malers nennt man Atelier.

    Jan Miense Molenaer: Die Werkstatt des Malers. 1631 (Raum 13). Rechts steht der bewegliche Stnder (Staffelei). Auf der Staffelei steht ein Rahmen, in den die Leinwand (Stoff) mit Schnren eingespannt ist. Darber hngt die Palette, die der Maler zum Mischen der Farben verwendet. Auf dem Hocker befindet sich noch der Malstock. Wenn er den an das Bild hlt und seine Hand darauf absttzt, kann er mit sicherer Hand viele kleine Pinselstriche ausfhren. Aber der Maler ist nicht allein in der Werkstatt. Bei der Arbeit stehen ihm Lehrlinge und Gesellen zur Seite. In deinem Alter httest du schon in einer Werkstatt arbeiten drfen. Natrlich braucht der Maler noch ein Modell, das oft ein Freund oder Familienmitglied war. Erkennst du die Menschen auf dem Bild? Wer knnten sie sein?

  • 21

    Worauf kann man noch malen?

    Links im Hintergrund steht der Maler, der die lfarben neu anmischt. Die wurden damals von den Malern noch selbst hergestellt, denn man konnte noch keine Farben in Tuben kaufen. Erde, Pflanzen, Steine oder Metalle rieb man zu Pulver. Dieses Pulver wurde dann mit etwas Wasser und Ei angerhrt. Diese Eitempera trocknete sehr schnell auf dem Bild. Aber als die Farben getrocknet waren, sahen sie anders aus. Die lfarben dagegen sahen fast genauso aus wie im getrockneten Zustand. Auerdem konnte der Maler noch bis zu zwei Tage spter die Farben verndern. Oft dauerte es fast ein ganzes Jahr bis ein Gemlde mit lfarben vollstndig getrocknet war. Fr die lfarben mischte man das Pulver meist mit Leinl. Willst du das auch einmal probieren und malen wie die Alten Meister? Hier ist das Rezept: Du brauchst dazu: 1 Tasse, 1 Gabel, Glser mit Schraubverschluss, Wasser, Tempera-Farbpulver. Schtte nun 1 Tasse Wasser und 2 Tassen Tempera-Farbpulver in ein Glas. Verrhre Farbpulver und Wasser vorsichtig mit der Gabel. Mit viel Wasser vermischt, wirkt die Farbe schwcher und stumpf. Wenn Ihr nur wenig Wasser benutzt, wird die Farbe krftig und intensiv.

    Denk noch an den Malkittel! Wo kommen nur auf einmal die ganzen Farbkleckse her??

    Wer findet das kleinste Portrt der Gemldegalerie?

    Auf diesem Bild seht Ihr die Knigin Charlotte von England. Mit 17 Jahren heiratete sie den englischen Knig Georg III., mit dem sie 15 Kinder hatte. Zuletzt wurde das Bild in Raum 34 gesehen!

  • 22

    Eine Sensation!

    Die Gemldegalerie besitzt dieses Bild schon seit 70 Jahren. Aber bisher

    wusste niemand, wer darauf abgebildet war. Durch Zufall hat man vor kurzem herausgefunden, dass es sich hierbei um Wolfgang Amadeus Mozart handelt. Johann Georg Edlinger hat das letzte Portrt des berhmten

    Komponisten gemalt. 1756 wurde Mozart in Salzburg geboren und starb schon mit 34 Jahren in Wien. Zu seinem 249. Geburtstag wurde das Bild jetzt der ganzen Welt vorgestellt.

    Edlinger: Bildnis des Wolfgang Amadeus Mozart (Raum 54).

    Ein Lcheln wert!

    Leonardo da Vincis Mona Lisa ist bestimmt das berhmteste aller Portrts. Drei Jahre lang hat der Maler an dem Bild gesessen. Mona Lisa war vermutlich die Frau des Grafen Francesco del Giocondo. Deshalb wird das Bild auch "La Gioconda" genannt. Weit du, warum dieses Bild so bekannt ist?

    Leonardo da Vinci: Mona Lisa. 1503-1506 (Louvre, Paris), (Detail).

  • 23

    Wer bin ich?

    Das ist Rembrandt! Er war der bekannteste hollndische Maler des 17. Jahrhunderts. Nchstes Jahr, also 2006, ist sein 400. Geburtstag. Unser Museum hat sich deshalb etwas ganz besonderes fr das Geburtstagskind ausgedacht. Viele seiner Werke, die sonst nicht zu sehen sind, werden gezeigt. Was, denkst du, so etwas feiert man? Aber natrlich! Aus dem Sohn eines Mllers ist einer der wichtigsten Maler der Kunstgeschichte geworden, der die Menschen bis heute begeistert.

    Rembrandt Harmensz. van Rijn: Selbstbildnis mit Samtbarett und Mantel mit Pelzkragen. 1634 (Saal X). Aller Anfang ist schwer. Um gute Portrts zu malen, mussten die Knstler ben. Das konnten sie am besten mit dem Selbstportrt. Sie brauchten dazu nur einen Spiegel. Im Laufe seines Lebens hat Rembrandt sich mindestens dreiigmal auf der Leinwand verewigt. Aber auch auf Zeichnungen und Kupferstichen* hielt er sich fest. Man sieht einen lachenden, schreienden oder erschrockenen Rembrandt. Mit 19 Jahren malte er sein erstes und mit 63 Jahren sein letztes Selbstbildnis. Doch er portrtierte sich nicht nur als Knstler. Wie ein Schauspieler schlpfte er in immer neue Kostme und hielt sich in verschiedenen Rollen fest, um die jeweiligen Krperhaltungen und Gesichtsausdrcke zu studieren. Die Erkenntnisse, die er dabei gewann, kamen ihm spter bei seinen spannenden Darstellungen von Bibelgeschichten zugute, oder bei den Portrts anderer Menschen. Aber auch seine erste Frau Saskia, sein Sohn Titus und seine zweite Frau Hendrickje Stoffels standen ihm Modell. Das Bild oben zeigt Rembrandt als erfolgreichen und frisch verliebten Knstler. Er ist 28 Jahre alt und hat gerade Saskia van Uylenburgh geheiratet, die Tochter eines reichen Anwalts aus Friesland.

  • 24

    Sein Gesicht hat er in Hell und Dunkel ausgeleuchtet wie auf einer Theaterbhne. Diese Hell-Dunkel-Malerei war im Barock* sehr beliebt. Wie ist die Haltung des Kopfes und des Oberkrpers? Was hat das fr eine Wirkung auf dich?

    Noch einmal Rembrandt

    Was fr ein Gesicht macht Rembrandt?

    Rembrandt: Selbstbildnis mit offenen Mund und aufgerissenen Augen. 1630 (Kupferstichkabinett).

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    Mach' dir selbst ein Bild von dir!

    Kinderleicht denkst du, dich selbst im Spiegel zu malen? Versuch es auch einmal. Aber nicht nur Punkt, Punkt, Komma, Strich! Du kannst auch einen Schattenriss von dir anfertigen! Der Schattenriss links ist brigens von dem Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe (1749-1832). Von dem liest du bestimmt etwas in der Schule, wie wir das auch mussten.

    Huch, die sind ja blass!

    Die Familie des George Clive lsst sich an den wei geschminkten Gesichtern erkennen. Warum sehen sie aus wie Gespenster?

    Sir Joshua Reynolds: George Clive und seine Familie mit einer indischen Dienerin. Um 1765/66 (Raum 20). George Clive war ein Verwandter des berhmten Eroberers von Indien und hatte sich englischen Truppen bei ihren Feldzgen angeschlossen. Als reicher Mann kehrte er nach England zurck und wurde in die Regierung gewhlt. Mit diesem Familienportrt wollte er zeigen, was er in seinem Leben erreicht hat. Der Reichtum der Familie Clive wird in den teuren Stoffen und auch in dem Purpurvorhang sichtbar. Dieser Vorhang wurde sonst von Kaisern und Knigen getragen.

  • 26

    brigens: Die Purpurfarbe gewann man aus den Purpurschnecken. Die sonderten diesen Farbton ab. Schon vor ber 2000 Jahren wurden die Schnecken deshalb verfolgt und fast ausgerottet. Aber was hat eine indische Frau auf dem Portrt einer

    englischen Familie zu suchen?

    Als George Clive von Indien zurckkam, brachte er eine indische Frau mit, die du hier als Dienerin siehst. Warum war er in Indien?

    Im 18. Jahrhundert begann Grobritannien viele Lndereien zu erobern, die das British Empire bildeten. Die Englnder beherrschten zu dieser Zeit mit ihrer Flotte smtliche Weltmeere. Zu diesem Reich gehrte auch Indien. Die Briten verdrngten hier erst die Portugiesen, Niederlnder und Franzosen. Sein Verwandter Robert Clive legte den Grundstein des Britischen Reichs (British Empire). Er konnte die franzsische Herrschaft in Indien beenden. Indien war nun eine Kolonie von Grobritannien. 1876 nahm Knigin Viktoria sogar den Titel der Kaiserin von Indien an.

    Die Karte zeigt das britische Weltreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erst 1947 erlangte Indien seine Unabhngigkeit.

    Portrts zeigen uns nicht nur, wie die Menschen damals wirklich aussahen oder sich sehen wollten. Sie erzhlen auch etwas ber unsere Geschichte. Denn oft haben sich berhmte Persnlichkeiten darstellen lassen, die du bis heute in Geschichtsbchern finden kannst. Auf Gemlden haben sich Kaiser, Knige, Frsten und andere wichtige Menschen fr die Nachwelt verewigen lassen. In unserem Museum kannst du ihnen in die Augen schauen.

  • 27

    Die Maler (Auswahl)

    Robert Campin

    war ein niederlndischer Maler, der von etwa 1378 bis 1444 lebte. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der altniederlndischen Malerei. Er malte religise Bilder, aber auch die brgerliche Welt, die er sehr realistisch wiedergab. Albrecht Drer

    wurde in 1471 Nrnberg geboren. Sein Vater war ein Goldschmied aus Ungarn. In seine Werkstatt ging der zwlfjhrige Albrecht in die Lehre. Er malte nicht nur Bilder, sondern fertigte auch zahlreiche Holzschnitte*, Kupferstiche* und Zeichnungen an. Von seinen beiden Reisen nach Italien brachte er die Ideen der Renaissance mit. Um die groe Nachfrage nach seinen Arbeiten zu stillen, grndete Drer eine eigene Werkstatt. Er wurde zum berhmtesten deutschen Maler seiner Zeit. Jean Fouquet (1415/20 bis 1477/81) [sprich: djan fuke] Bei diesem franzsischen Maler wei man nicht genau in welchem Jahr er geboren und gestorben ist. Fouquet hat Bilder und Bcher bemalt. Er arbeitete fr den franzsischen Knig Ludwig XI. Als einer der ersten Maler hat er die neue Malerei der Renaissance aus Italien verwendet. Er hat berhmte Persnlich-keiten wie den Papst Eugen IV. und Knig Karls VII. portrtiert. Giorgione (1478 bis 1510) [sprich: dschordschone] ber das Leben diesen italienischen Malers ist sehr wenig bekannt. Zu seiner Zeit war er ein wichtiger Vertreter der Renaissance in Venedig. Die Darstellung der Landschaft stand bei ihm im Vordergrund. Die Natur wurde von ihm in ein weiches Licht gehllt. Das war damals ein ganz neues Bildthema. Frans Hals (um 1581 bis 1666) Dieser niederlndische Knstler zhlt zu den bedeutendsten Meister der Portrtmalerei. Er wurde in der flmischen Stadt Antwerpen (heute in Belgien) geboren, arbeitet aber in Holland. Er fertigte Portrts von wohlhabenden Brgern, Bauern und Soldaten, und Gruppenbilder von Herrschern und Familien an. Er hielt die Menschen in einem bestimmten Augenblick fest, so dass sie natrlich und lebendig wirkten.

  • 28

    Hans Holbein d.J.

    war ein deutscher Portrtmaler und wurde 1497 in Augsburg geboren. In der Werkstatt seines Vaters Hans Holbein d.. wurde er ausgebildet. Spter arbeitete er in der Schweiz und lernte auf seinen Italienreisen die Arbeiten der Renaissanceknstler kennen. 1536 wurde er der Hofmaler des englischen Knigs Heinrich VIII. In London fertigte er auch das Portrt des Georg Gisze an. 1543 starb er an der Pest in London. Rembrandt Harmensz. van Rijn

    Wurde 1606 in der hollndischen Stadt Leiden als Sohn eines Mllers geboren. Mit 16 Jahren ging bei dem Maler Pieter Lastmann in Amsterdam in die Lehre. Schon bald feierte er groe Erfolge als Portrt- und Historienmaler. Er grndet eine groe Werkstatt und lie Gesellen fr sich arbeiten. Bei vielen seiner Gemlde wei man nicht so genau, ob sie von ihm oder seinen Schlern stammen. Er war auch ein groer Kunstsammler. Diese Sammelleidenschaft fhrte mit zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Rembrandt verarmte und musste schlielich sein Hab und Gut verkaufen. Bis zu seinem Tod im Jahre 1669 entstanden noch zahlreiche Meisterwerke.

    Glossar

    Barock*: Die Epoche des Barock reicht von etwa 1600 bis 1750. Der Begriff geht auf das portugiesische Wort barocco zurck und bezeichnet eine krumme, nicht ganz runde Perle. Diese Eigenschaften kennzeichnet auch die schwungvolle Malweise. Es entstanden neue Themen in der Malerei wie Landschaften und Stillleben (auf einem Stillleben waren Blumen, Frchte oder alltgliche Gegenstnde zu sehen).

    Holzschnitt*: Ein Holzschnitt ist eine aus einem Holzblock herausgeschnittene und von da aus gedruckte Zeichnung.

    Kupferstich*: Ein Kupferstich ist eine auf eine Kupferplatte eingeritzte und von da aus gedruckte Zeichnung.

    Mittelalter*: Zeitraum von 500-1500, in dem der christliche Glaube das Leben der Menschen bestimmte. Kriege, Hungersnte und die Pest, streitlustige Knige, Kaiser und Ppste lieen Europa nicht zur Ruhe kommen. Aber es ist auch die Zeit der Entstehung von Kathedralen, Universitten und groen Stdten.

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    Renaissance*: Das Wort Renaissance kommt aus dem Franzsischen und bedeutet "Wiedergeburt". Die Epoche dauerte von etwa 1350 bis 1550 und lste das Mittelalter ab. Knstler und Gelehrte begannen nun die Philosophie, Kunst und Literatur der Antike wiederzuentdecken. Diese Rckbesinnung auf die Antike wird Renaissance genannt. Die Maler schauten sich den Menschen und seine Umgebung genauer an. Beides begann man neu zu erforschen und im Bild festzuhalten. Auerdem war die Renaissance eine Zeit der Entdeckungen neuer Erdteile, wie Amerika.