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Abenteuer Fahrrad - wdr.de · PDF fileAbenteuer Fahrrad Abenteuer Fahrrad Script zur WDR-Sendereihe ªQuarks & CoÒ

Mar 06, 2018

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  • Abenteuer FahrradAbenteuer Fahrrad

    Script zur WDR-Sendereihe Quarks & CoScript zur WDR-Sendereihe Quarks & Co

  • Liebe Zuschauerin, lieber Zuschauer!

    Angenommen, wir bekmen eines Tages Besuch von Bewohnern eines anderen Planeten.

    Die Aliens wrden folgende irdische Szene beobachten: Ein Mann setzt sich ins Auto und

    fhrt ins Fitnesscenter. Auf dem Weg dahin mu er mehrere Ampeln in Kauf nehmen,

    schlechte Luft, Stau und dann noch die lstige Suche nach einem Parkplatz!

    Im Studio angekommen, setzt er sich auf einen Hometrainer, strampelt sich na, um

    danach erneut mit dem Auto nach Hause zu fahren. Das ist irdischer Fortschritt oder?

    Unser Verhalten wre fr die Aliens voller Rtsel. Sie wrden nicht verstehen, warum

    wir Menschen uns das Leben so unntig schwer machen. Das Fahrrad wre aus ihrer

    Perspektive ein sehr fortschrittliches Bewegungsmittel: Kein Stau, (fast) keine Ampel,

    keine Abgase, keine lange Parkplatzsuche und der Fahrer geniet obendrein ein

    kostenloses Fitnessprogramm. Der Energieverbrauch ist zudem minimal, denn selbst ein

    Radrennfahrer braucht weniger Energie zum Fahren als die Klimaanlage des

    Begleitfahrzeugs. Sicher ist: Innerhalb unserer Stdte wrde ET fter Fahrrad fahren!

    Mit unserer Sendung Quarks & Co: Abenteuer Fahrrad unternahmen wir eine

    spannende Reise durch die Welt des Fahrrads. Im vorliegenden Quarks-Skript haben

    wir einige interessante und ntzliche Tatsachen rund ums Fahrrad zusammengestellt.

    Bei diesem Thema wrde es uns ganz besonders freuen, wenn Sie voll auf uns abfahren!

    Viel Spa beim Lesen wnscht Ihr Quarks & Co-Team

    Ranga Yogeshwar fr Quarks & Co Abenteuer Fahrrad

    unterwegs

    Inhalt

    1. Die Tricks der Profis 4

    2. Die Geschichte des Fahrrads 9

    3. Das richtige Rad 13

    4. Die Wissenschaft vom Radfahren 17

    Seiten zum Herausnehmen: Hilfe, ich habe eine Panne 19 22

    5. Allesknner Fahrrad 30

    6. Stolperstein Fahrradweg 33

    8. Lesetips 35

    9. Index 38

    Impressum:Text: Angela Bode, Martin Dreifert, UlrikeHassink, Andreas Pooch, Till StempelRedaktion: Daniele JrgFachliche Beratung: Hans-Christian Smolik, Freinberg/Vils und Prof. Dr. Hans-Erhard Lessing,Mannheim (Fahrradgeschichte)

    Copyright: WDR

    Internet: www.quarks.de Weitere Informationen erhalten Sie unterwww.wdr.de

    Gestaltung: Designbureau Kremer Mahler, Kln

    Bildnachweis:S. 4 DPA, S. 10 Reiss-Museum der Stadt Mannheim, S. 11 M. Dreifert, S. 27 Rohloff Kassel, alle anderen WDR

    Illustrationen und Grafiken:Designbureau Kremer Mahler,Vera Vinitskaja.

    Diese Broschre wurde auf 100 % chlorfrei gebleichtemPapier gedruckt.

    , 1998

  • Radfahren wie Jan Ullrich?

    Radfahren wie Jan Ullrich das wirdschwer, denn Radprofis unterschei-den sich deutlich von nicht besonderstrainierten Menschen und Freizeitrad-lern. Dies betrifft nicht nur ihre (antrai-nierte) Fitness, sondern auch Technikund Taktik des Fahrradfahrens.Aber was ist bei Ullrich, Riis und Co.im Vergleich zum Sonntagsradleranders? Ihr Krper ist besondersdarauf ausgelegt, mglichst vielSauerstoff aufzunehmen. Sie habensehr groe Herzen, die bis zu 500 gwiegen (zum Vergleich: beim Un-trainierten 300 g). Mit dem Gewichtsteigt auch das Herzvolumen. Sport-lerherzen knnen ein Volumen vonbis zu 1500 ml erreichen (Untrai-nierter: 800 ml). Pro Schlag wirddadurch fast die doppelte Menge anBlut gepumpt. Fr die gleiche Leistung mu das Herz der Profis

    rote Muskelfasern. Doch durch dasrichtige Training lt sich der Anteilder Ausdauerfasern oder fallsgewnscht auch der weien Fasernerhhen. Letzteres ist schwieriger.Deshalb gibt es auch nur wenigeRadsportler, die am Ende einer langenEtappe nochmal zu einem Sprint an-ziehen knnen. Erik Zabel vom TeamTelekom ist einer davon.brigens: Bodybuilding ist nichts fr Radprofis. Je mehr Muskeln, destomehr Sauerstoff braucht man, um sie zu versorgen. Durch das viele Training und vor allem die Rennen bleiben nur die Muskeln brig, die auch wirklich gebraucht wer-den. Alles andere wird abgebaut,denn es verbraucht Sauerstoff undmte bei Bergfahrten zudemmhsam mitgeschleppt werden. Dasist der Grund dafr, da Radprofiseher unscheinbar muskuls sind.

    Langstrecke und Sprint

    Die Fahrer fahren auf langen Etappen meist so, da sie geradenoch genug Sauerstoff aufnehmen,um ihre Muskeln versorgen zuknnen. Schlecht ist es nmlich,wenn nicht mehr genug Sauerstoffda ist. Dann mu die Nahrungauf einem anderen Weg verbranntwerden, und dabei entsteht Milchsure (Laktat). Nun arbeitenMuskelzellen aber nicht besondersgut, wenn es um sie herum immersaurer wird. Irgendwann streiken sie, weil sie sonst kaputtgehen. Dann ist der Fahrer entweder totalerschpft oder bekommt einenKrampf oder beides jedenfallskommt er nicht mehr voran (und ver-sprt bald darauf Muskelkater).Deshalb fahren die Profis mglichstim sogenannten aerob-anaero-ben Bereich, d.h. hier wird genau

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    trainieren. Wie gro die Unterschiedezwischen den Fahrradprofis und ei-nem untrainierten, gesunden Mannsind, zeigt ein Test auf einem Home-trainer (s. Grafik auf Seite 4): Wh-rend es dem Untrainierten allenfallseine Minute lang gelingt, eine mecha-nische Leistung von 400 Watt zu er-bringen, halten Ausdauersportler wieRadprofis eine Stunde und lngerdurch. Der Rekord liegt bei 550 Wattber eine Stunde.

    Limit Sauerstoff

    Die maximale Sauerstoffaufnahme istabhngig von Alter, Geschlecht, Ge-wicht und Trainingszustand. Sie sinktbeim untrainierten Mann pro Jahr umein Prozent ab, durch Training kannman diesen Proze allerdings aufhal-ten und sogar umkehren. Auerdemist sie abhngig davon, wieviel Blutder Kreislauf transportieren kann,wieviel Sauerstoff das Blut (bzw. die roten Blutkrperchen) dabei auf-nehmen kann, wie gut die Lunge den eingeatmeten Sauerstoff ans Blut weitergibt, wie die Muskeln durch-blutet sind und inwieweit der Muskel den Sauerstoff zusammen mit derNahrung in Energie umsetzen kann.Das schwchste Glied in dieser Sauerstofftransportkette ist bei denmeisten Menschen der Blutkreislauf.

    Die Muskeln

    Was die Muskeln anbelangt: Muskelnbestehen vor allem aus langsamenund schnellen Muskelfasern. Fr Rad-profis wichtig sind die langsamen,sogenannten roten Fasern, denn diesind fr die Ausdauer zustndig undmachen bei Trainierten 70 bis 90Prozent aus. Die schnellen, weienFasern sind eher wichtig fr Sprinter.Untrainierte haben mehr weie als

    1. Die Tricks der Profis

    weniger hufig schlagen. Zum Bei-spiel schlgt das Herz von ProfiMiguel Indurain in Ruhe weniger als30 mal pro Minute, normal sind etwa60-70 Schlge. Dazu kommt, da dieFahrer bis zu 15% mehr Blut haben alsUntrainierte. Das alles dient nureinem Zweck mehr Sauerstoff auf-zunehmen. Bis zu einer gewissenGrenze gilt: Je mehr Sauerstoff einOrganismus aufnehmen kann, destomehr kann er leisten und desto lngerkann er diese Leistung auch durch-halten. In der Fachsprache heit dasmaximale Sauerstoffaufnahme undbezeichnet die grtmgliche Mengean Sauerstoff (nicht Atemluft), die derRadsportler bei Belastung ber seineLungen in das Blut aufnehmen kann.Untrainierte schaffen etwa drei Liter,Profis bis zu sechs Liter in der Minute.Diese maximale Sauerstoffaufnahmeist der zentrale Faktor, der bestimmt,wie viel und wie lange ein Sport-lerLeistung bringen kann. Wer Rad-fahren will wie Jan Ullrich, Bjarne Riis oder Miguel Indurain, tut gut daran, seinen Krper auf eine maxi-male Sauerstoffaufnahme hin zu

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    Wer kann wie lange welche Leistung erbrin-gen? Das Dauerleistungsvermgen einesSpitzensportlers im Vergleich zu dem einesgesunden, aber untrainierten Mannes. 1 PSentspricht 735 Watt.

    Auf dem Weg zum Sieg:Der 23jhrige Jan Ullrich bei der Tour de France 1997.

  • reicht nicht. Da wird gezogen undgeschoben Ergebnis: der soge-nannte runde Tritt, also einegleichmige Kraftausbung aufdas Pedal whrend des gesamtenTretzyklus. Da ginge natrlich nichtohne eine feste Verbindung vonPedal und Schuh (System- oderClick-Pedale, Pedalhaken oderclips). Darberhinaus ist die Tritt-frequenz viel hher meist liegt siezwischen 80 und 100 Umdrehungenpro Minute. Freizeitradler fahrenhufig einen zu hohen Gang undkommen damit nur auf Frequenzenvon 60 Umdrehungen und weniger anstrengender und belastender frdie Gelenke.Auch die Sitzposition der Profis aufdem Rad ist anders, vor allem beimZeitfahren, bei dem Windschatten-fahren nicht erlaubt ist. Hier kommtes darauf an, mglichst wenig Wind-widerstand zu bieten. Dement-sprechend sitzen die Fahrer oftextrem gebeugt auf dem Rad.

    Radrennsport ist eine Mannschaftssportart

    Bei einem Tempo von 50 km/hbraucht ein Profi rund 90 % seinerEnergie, um den Luftwiderstand zu berwinden (vgl. S. 21). Wieviel das Fahren im Windschatten einesanderen Fahrers spart, wurde in

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    soviel Milchsure gebildet, wie auchwieder abgebaut wird. So knnen sie Etappen von bis zu 300 Kilo-metern ohne grere Erschpfung berstehen.

    Es gibt allerdings Situationen, daknnen selbst die Trainiertesten nicht mehr genug Sauerstoff auf-nehmen eben bei Bergetappen oderSprints. Bei den Profis ist das abernicht so schlimm, denn sie knnen die dann entstehende Milchsure auch sehr schnell wieder abbauen. Anders als Freizeitsportler stecken sie extreme Anstrengungen whrendeines Rennens weg und berstehendrei Wochen Tour de France ohnenennenswerten Muskelkater.

    Kraftstoff Fett

    Trainierte und Untrainierte brauchennicht nur Sauerstoff, sondern auchnoch etwas, was mit Hilfe des Sau-erstoffs verbrannt werden kann. In

    der Ruhephase, z. B. whrend desSchlafs, verbrauchen alle Menschenvor allem Fett, um ihren Energiebe-darf zu decken. Wenn jedoch Leistunggefragt ist, gibt es zwischen JanUllrich und einem Otto-Normal-Rad-ler einen gravierenden Unterschied:Schwingt sich ein Untrainierter aufsRad, dann wird die Energie haupt-schlich aus der V